Fernglas

Journalist und Kolumnist Bernd Loose richtet sein ganz persönliches "Fernglas" auf den FC Energie, die Liga und alles was den Fußball betrifft. Nahezu wöchentlich gibt es hier eine neue Ausgabe für Euch zum Lesen.

Talsohle durchschritten

Das war deutlich. Da verloren sich zum Treffen der Legenden am vergangenen Samstag trotz unentwegter Bewerbung gerade mal gut 1500 Unentwegte im Stadion der Freundschaft, die es nicht versäumen wollten, ihre Lieblinge aus vergangenen Zeiten noch einmal hochleben zu lassen. Und besseren, vergangenen sportlichen Zeiten zu frönen. 48 Stunden vorher dagegen brodelte es zur besten Mittagstischzeit in der Cottbuser Arena. Knapp 7.700 Fans wollten sich am neuzeitlich „Männertag“ genannten gesetzlichen Feiertag Christi Himmelfahrt nicht entgehen lassen, wie die Mannschaft des FCE letztlich souverän die attraktive Trophäe des Landesverbandes Brandenburg in den Pokalschrank von Energie einsortierte. Nicht ohne vorher den Trainer auf der Pressekonferenz mittels Bierdusche mit dem Fassungsvermögen des kurz vorher errungenen Pokals vertraut zu machen. Und natürlich mit dem Odeur des fassfrischen Wernesgrüner Gerstensaftes, der in mindestens Fünfliterstärke durch den Besten auf der Wiese an diesem Nachmittag, Kevin Weidlich, Energies Cheftrainer Claus-Dieter Wollitz äußerst feucht daran erinnerte, dass sich seine Mannschaft kurz vorher die Qualifikation zur ersten Hauptrunde des DFB-Pokals erspielt hatte.

Die Spiele der Cottbuser Legenden, ja die ganze Veranstaltung, wird leider nur dadurch in Erinnerung bleiben, dass der ewige Trainer-Knurrer Eduard Geyer, quasi ein Huub Stevens des Ostens, durch seine öffentlich geäußerten Sottisen gegen den FCE seinen Nimbus beschädigt hat und dadurch der Idee, durch diese Veranstaltung einen Schulterschluss zwischen den Cottbusser Ehemaligen und dem Verein der Neuzeit herzustellen, kraft seiner noch nicht ganz vergangenen Strahlkraft als Trainergallionsfigur  Schaden zugefügt hat. Das sollte bei einer kommenden Veranstaltung dieser Art bedacht werden. Schwamm drüber.

Freuen wir uns doch lieber über den Pokalsieg der FCE-Kicker und die symbolische Aussage, die sich mit der Vorstellung der Wollitz-Mannen verbindet: Diese Mannschaft will nach oben. Der vor der letzten Saison mit heißer Nadel und stark eingeschränkten Möglichkeiten zusammengestellte Kader konnte in der abgelaufenen Spielzeit noch nicht die Anforderungen erfüllen, eine Regionalliga-Staffel zu dominieren. Dafür waren die Rahmenbedingungen nicht gegeben. Die Mannschaft durfte vor Weihnachten kurz von mehr als der Vizemeisterschaft träumen. Der Mitbewerber aus Jena war jedoch in der Gesamtabrechnung konstanter und letztlich verdienter Staffelsieger.

Fakt ist, dass die Talsohle durchschritten scheint. Die Kulisse an Christi Himmelfahrt hat der Mannschaft einen Fingerzeig gegeben, wie es in der kommenden Saison ablaufen könnte. Die Jungs von Pele Wollitz sind nun in einer Art "Bringschuld". Wenn der FCE durchmarschiert durch die Regionalliga Nordost 2017/2018, wird keine Regelation verhindern, dass Energie ab 2018 wieder der 3. Liga zugehört.

- von Bernd Loose -