Fernglas

Journalist und Kolumnist Bernd Loose richtet sein ganz persönliches "Fernglas" auf den FC Energie, die Liga und alles was den Fußball betrifft. Nahezu wöchentlich gibt es hier eine neue Ausgabe für Euch zum Lesen.

Murmeltiertag und Halloween am 1. April

Wer glaubt, Pele Wollitz sei ein impulsiver Mensch, der täuscht sich gewaltig. Ohne ihm ein gewisses Temperament absprechen zu wollen, der Ostwestfale an sich ist ein ruhiger Vertreter. So auch Wollitz. Nur bei einem Thema hat der Cheftrainer des FC Energie eine extrem kurze Zündschnur. Immer wieder zu beobachten bei den wöchentlichen Pressekonferenzen im Stadion der Freundschaft. Nachdem Wollitz seinen Sachstandsbericht zu den Verletzten und Rekonvaleszenten abgegeben hat, wartet er auf die Fragen der anwesenden Journalisten. Derzeit ist der Mangel an Personal in der Offensivabteilung zu kompensieren, wie ist der Stand bei eventuellen Neuzugängen in der Winterpause, wie hält man die Spannung hoch bei dem weiten Abstand zum Tabellenzweiten, der nächste Gegner wird kurz beleuchtet. Und so weiter, und so fort. Wenn die üblichen Themen abgefrühstückt sind, muss man nicht lange warten, bis ganz vorsichtig aus den Reihen der Journaille die Frage nach dem vermaledeiten Aufstiegsmodus kommt. Dann wird Pele Wollitz emotional und springt jedesmal wie auf Knopfdruck sprichwörtlich aus dem Anzug. Sein Credo: Leistung – über lange 34 Spieltage nachgewiesen – muss sich lohnen. Die Meister der Regionalliga müssen ohne den Weg über die Relegation, der für die Hälfte der teilnehmenden Mannschaften mit einer bitteren Nichtversetzung endet, zurück in den Profifußball befördert werden. Das ist nachvollziehbar.

Die Diskussion läuft nunmehr seit gut einem Dreivierteljahr. Pele Wollitz wurde zeitweise als Revoluzzer karikiert. Und der Verfasser sprach an dieser Stelle im Februar von einer „Quadratur des Kreises“. Betrachtet man die Entwicklung der letzten Monate, in der sich der zu Beginn renitente DFB als Dachverband der ganzen Veranstaltung extrem phlegmatisch, sprich reformunwillig präsentierte, mutet der ganze Prozess bei allen Bemühungen manchmal an, als ob Murmeltiertag, Halloween und der 1. April auf einen Tag fallen. Die vorgeschlagenen Optionen, die teilweise rollierende Regelungen mit wechselnden, festen Aufsteigern vorsähen, klingen wie ein Aprilscherz, sind gleichermaßen grausam-gruselig wie die Aufforderung der am 31. Oktober durch die Straßen marodierenden Kinder, die „Gib Süßes, sonst gibt’s Saures“ (kurz: „Süßes oder Saures“) reklamieren und erinnern fatal an den Murmeltiertag, den 2. Februar in Punxsutawney/Pennsylvania. Immer die gleichen Ansätze, monatelange fruchtlose, sich im Kreis drehende Diskussionen ohne befriedigenden Ausgang.

Seit einigen Wochen kristallisiert sich jedoch eine Regelung heraus, die, eine gewisse Beweglichkeit der Landesverbände vorausgesetzt, ab der Saison 2019/2020 greifen könnte. „4 aus 4“ heißt die Zauberformel, die einem jedoch zunächst ein großes Fragezeichen in das erstaunte Gesicht malt. Vier aus vier? Hey, wir haben doch fünf Regionalligen, oder? Ja, der DFB möchte die Anzahl der Regionalligen auf vier reduzieren. Relegation passé, die Meister würden direkt aufsteigen. Und Revoluzzer Wollitz hätte Satisfaktion.

Klingt einfach und sauber. Wenn alle mitspielen. Wenn. Schaut man sich jedoch die Erklärung der Dritt- und Viertligavereine des NOFV vom 16. November an (http://www.nofv-online.de/index.php/aktuelles-leser-114/erklaerung-der-vereine-des-nofv.html), die die Regelung „4 aus 4“ goutiert, gleichzeitig jedoch die Abschaffung der Regionalliga Nordost kategorisch ausschließt, kommen einem Zweifel an einer geschmeidigen Lösung, die auf dem ausserordentlichen DFB-Bundestag am 8. Dezember in Frankfurt am Main diskutiert und beschlossen werden soll. Fragen über Fragen schlössen sich einem entsprechenden Beschluss ad hoc an. Das alles muss den FCE nicht kümmern, wenn Wollitz‘ Mannen am 21., 24. und 27. Mai 2018 Geschichte schreiben, den AOK-Landespokal verteidigen und erstmals – und hoffentlich letztmalig – den Aufstieg in die 3. Liga schaffen.

- von Bernd Loose -