Fernglas

Journalist und Kolumnist Bernd Loose richtet sein ganz persönliches "Fernglas" auf den FC Energie, die Liga und alles was den Fußball betrifft. Nahezu wöchentlich gibt es hier eine neue Ausgabe für Euch zum Lesen.

Zweistellig

Der dem FCE geneigte Unterstützer kann sich nach dem heutigen Spiel des Eindrucks nicht erwehren, die vereinte Schiedsrichter-Gilde der Regionalliga Nordost hätte beschlossen, die Staffel im Rahmen ihrer Möglichkeiten einigermaßen spannend zu halten. Bisher eher feinfühlig und unterschwellig, aber das muss ja nicht immer so bleiben. Sollte sich der eingeschlagene Weg, in jedem zweiten Spiel mindestens einen Energie-Akteur des Feldes zu verweisen, als nicht zielführend erweisen, gibt es ja auch noch das gern genommene Stilmittel zweifelhafter Elfmeter, um Spiele nachhaltig in eine gewisse Richtung zu lenken. Oder die Kombination aus Platzverweisen und nicht berechtigten Strafstößen hat noch immer jedes noch so gefestigte Team irgendwann demoralisiert. Dazu kann man ja den, an der Seitenlinie zum HB-Männchen mutierten, aufgebrachten Trainer im Zweifelsfall auf die Tribüne schicken. Und alle Verfehlungen in einem ausführlichen Report auf dem Spielberichtsbogen niederlegen. Spaß und Satire beiseite. Wenn das so weitergeht, wird Energie Cottbus nicht nur mit zweistelligem Punktvorsprung die Staffel für sich entscheiden. Nein, das Team von Pele Wollitz wird die Saison mit einer rekordverdächtigen Anzahl von Platzverweisen beenden und voraussichtlich keine zwei Spiele mit der gleichen Startaufstellung beginnen. Wenig tröstender Nebeneffekt: Die Mannschaftskasse wird bersten. Zum Platzverweis vom „MAN OF THE MATCH“ Tim Kruse gegen die Zipsendorfer ist anzumerken, dass die zweite gelbe Karte wohl regelkonform war, aber ob man sie in der Nachspielzeit zeigen muss, ist zumindest diskussionswürdig. Der Freistoß in aussichtsreicher Lage hätte es doch auch getan. Zumindest aus Sicht aller FCE-Anhänger. Ärgerlich für Tim Kruse, der zuletzt einen Lauf hatte und zumindest im nächsten Ligaspiel beim Aufsteiger Germania Halberstadt zuschauen muss.

Ärgerlich aus Sicht der Cottbuser übrigens auch die Auslosung zur zweiten Runde im DFB-Vereinspokal. Wäre es doch, ein Weiterkommen gegen Stuttgart vorausgesetzt, zu der reizvollen, für den FCE durchaus machbaren Partie gegen den ruhmreichen, doch in den letzten Jahren finanziell arg gebeutelten 1. FC Kaiserslautern gekommen. Wäre, wäre, Fahrradkette (Zitat Lothar Matthäus). Die Zuschauerzahl hätte sich sicher ebenfalls im zweistelligen Tausenderbereich bewegt und mit einem Sieg steht man unversehens im Achtelfinale. Nicht zu vergessen die 280.000 Euro Garantiesumme. Wie gesagt: wäre, wäre …
So spielt nun der VfB Stuttgart gegen den Ex-Meister vom Betzenberg. Und wird wohl in die Runde der letzten Sechzehn einziehen. Auf die genannte Auflaufprämie des DFB, die für den FCE einen wahren Geldsegen darstellen würde, könnten die Stuttgarter leicht verzichten. Schenkt man den veröffentlichten Zahlen Glauben, spült der neue Fernsehvertrag dem Aufsteiger zum Ende der Saison 2017/18 knapp 30 Millionen Euro auf die relativ gefegten Konten. In Zahlen: 30.000.000,00.

Noch Fragen? Na sicher! Spielt der VfB Stuttgart zweitausend Mal besser als der FC Energie Cottbus? Ist es für den normalen Fußballfan nachvollziehbar, dass die Landeshauptstädter aus Baden-Württemberg fast doppelt so viel an Fernsehgeldern für eine Saison einstreichen, wie die 110 Vereine der 3. Liga und aller fünf Regionalliga-Staffeln zusammen? Nein und nochmals nein. Der DFB als Dachorganisation des deutschen Fußballs muss einen Teil der von der DFL ausgehandelten Fernsehgelder zur Erhaltung und Förderung des Unterbaus der Profiligen einfordern und auch erhalten. Schon fünf Prozent des Kuchens summieren sich auf einen Betrag im Bereich von ca. 55 Millionen Euro pro Jahr. Damit ließe sich einiges bewegen. Und der sogenannte „Amateurfußball“ würde sich nicht von den „Großkopferten da oben“ abgehängt fühlen.
Ganz beiläufig auch zweistellig: Die Rückennummer auf meinem neuen Trikot. #WIR

- von Bernd Loose -