Fernglas

Journalist und Kolumnist Bernd Loose richtet sein ganz persönliches "Fernglas" auf den FC Energie, die Liga und alles was den Fußball betrifft. Nahezu wöchentlich gibt es hier eine neue Ausgabe für Euch zum Lesen.

Der Trainer als Galionsfigur

Schönen guten Tag liebe Freunde des FC Energie Cottbus! Nein, ich trete nicht zurück. Auch wenn der eine oder andere Leser meiner kleinen, unsteten Kolumne zwischenzeitlich den Eindruck gehabt haben sollte, dass ich nichts mehr abzusondern habe zu unseren Lieblingen in Rotweiß. Weit gefehlt. Um ehrlich zu sein, ich habe bereits vier- oder fünfmal in den vergangenen Wochen das Fernglas herausgeholt, um einige Auffälligkeiten rund um den FCE zu Papier zu bringen. Wurde jedoch immer wieder von den Ereignissen überholt.

Heute beginne ich mit einem Slogan, den die Medienschaffenden gerne in Wort und Bild dem neuen Geschäftsführer Sport des VfL Wolfsburg Jörg Schmadtke zuschreiben: „Ruhig, ganz ruhig …“ Genau dieses Credo verkörpert seit gut zwei Wochen der Cheftrainer. Pele Wollitz ist sehr gefasst, fokussiert und zurückgenommen in den Pressekonferenzen. Nicht zu vergleichen mit den teilweise skurrilen Auftritten in der vergangenen Saison, als Wollitz, im richtigen Moment mit der richtigen Frage konfrontiert, ansatzlos zum sprichwörtlichen HB-Männchen mutierte. Natürlich wird der sportliche Leiter schon vor der Veröffentlichung in der vergangenen Woche von der Demission des FCE Präsidenten und dem Geschäftsführer gewusst haben. Pele Wollitz ist jedoch Profi genug und zu lange im Geschäft, um sich durch solche Personalien aus der Ruhe bringen zu lassen. Er ist natürlich einen langen Weg mit Normen Kothe gegangen, den er bis zum 31. Januar des nächsten Jahres beknien wird, nicht aufzuhören. Ein hehres Unterfangen. Doch es fehlt mir der Glaube, dass Normen es sich noch einmal anders überlegen wird. Michael Wahlich ist konsequent. Auch wenn seine Mission doch eher unbefristet erschien, ist er sich zu Recht zu schade, die elementare Angriffsfläche für die ständigen Querelen in den Gremien des FC Energie zu bieten. Gefühlt war die Mission von Herrn Wahlich noch lange nicht beendet, doch sein Rückzug zum Ende des Jahres ist nachvollziehbar.

Bleibt Pele. Es ist wirklich erstaunlich, was dieser Mensch, aus einer völlig anderen Region der Republik stammend, für eine Identifikation für die Lausitz, Cottbus und die gesamte Region abstrahlt. Ich wiederhole mich gerne. Ich bewundere den Fußballlehrer Pele Wollitz für seine sportliche Kompetenz, sein Fachwissen, seine Erfahrung in diesem Sport. Ich verneige mich jedoch vor dem Menschen Claus-Dieter Wollitz, der trotz aller Schwierigkeiten, den Profi-Fußball in der Lausitz fortzuführen und zu entwickeln, nie die Menschen der Region aus den Augen verliert. Und immer wieder verdeutlicht, für wen das alles stattfindet in Cottbus. Darauf hinweist, dass die Angestellten des Vereins schon seit längerem auf vieles verzichten. Für ihren Verein. Und nicht zuletzt auch, weil es einen Claus-Dieter Wollitz gibt, der eine große integrative Kraft verkörpert und in der Lage ist, alle mitzunehmen. Wollitz arbeitet an seinem Denkmal in Cottbus.

Trotz des Negativlaufs in den letzten Wochen mit sieben Spielen ohne Sieg und vier Partien in Folge ohne Tor, bleibt der Cheftrainer ruhig und verweist auf die enggedrängte Tabelle. Und in der Tat: bei genauerem Hinsehen stellt man fest, dass, wenn alles optimal läuft und Energie die beiden Ostderbys im Stadion der Freundschaft erfolgreich gestalten kann, durchaus Platz 7 winken könnte. Es benötigt dazu jedoch nicht nur eine gehörige Portion Matchglück sowie die uneingeschränkte Unterstützung der Energie-Fans, sondern auch der Überzeugung, dass die Mannschaft, egal in welcher Besetzung, Zwickau und Halle niederhalten kann. Und einer Galionsfigur, die den erforderlichen Siegeswillen aus jeder Pore verströmt.

 

- von Bernd Loose -