Zwei runde Jubiläen im Februar
Siegfried Wünsch und Peter Zierau wurden kürzlich 70 Jahre alt. Erneut haben sich die Jungs vom FC Energie Museum die größte Mühe gemacht, um Euch die Historie der beiden Jubilare etwas näher zu bringen. Während der Geburtstag von Siegfried Wünsch (16.02) schon ein paar Tage her ist, feierte Peter Zierau erst in dieser Woche (25.02.) seinen Ehrentag. Herzlichste Glückwünsche!
Siegfried Wünsch spielte von 1972 bis 1980 für unseren Verein und hat in dieser Zeit ganze 220 Pflichtspiele absolviert - damit belegt er Platz 15 in der Vereinshistorie. Dabei gelang Wünsch 1973 und 1975 der Aufstieg in die DDR-Oberliga, in der der Mittelfeldspieler jeweils als Stammspieler unsere Farben vertrat. Siegfried Wünsch war ein unermüdlicher Antreiber im Mittelfeld, der Cottbus viele Jahre als Kapitän auf den Platz führte und sich ab und an auch vor dem Tor zeigte. 15 Tore, darunter auch sehr wichtige wie jenes in der ersten Oberliga-Aufstiegsrunde bei Vorwärts Leipzig (2:1) konnte Wünsch für Energie erzielen. Als die Legende 1980 den Verein verließ, konnte Lok Raw Cottbus noch 10 weitere Jahre von seinen Erfahrungen profitieren - als Spieler und als Trainer. Siegfried Wünsch wurde 1950 im brandenburgischen Jüterbog geboren. Damals wie auch heute üblich, schloss sich Wünsch im Kindesalter dem örtlichen Heimatverein an, um seine Fußballleidenschaft auszuleben. Ab Sommer 1960 kickte er so für die BSG Aufbau Jüterbog, die bis 1966 auch eine Bezirksligamannschaft besaß. Als der Wohnungsbaubetrieb dann seine Unterstützung für die BSG Aufbau einstellte, wurde diese daraufhin aufgelöst. Die Sektion Fußball wurde von der BSG Lokomotive Jüterbog übernommen, für die Wünsch noch bis 1968 im Nachwuchs spielte. Schon als 17-jähriger konnte er auch für die Männermannschaft der Jüterboger in der Bezirksliga auflaufenund schoss dabei beeindruckende zehn Tore. Da sein Talent nicht unentdeckt blieb, klopfte schließlich mit dem fünffachen Meister FC Vorwärts Berlin eine der Spitzenmannschaften des DDR-Fußballs an. Wünsch wechselte daraufhin in die Hauptstadt und erlebte, wie der Club 1969 erneut die Meisterschaft gewann. Dabei saß er als 19-jähriger schon bei den Berlinern auf der Bank und war somit auch bei den Reisen zu den internationalen Spielen im Europapokal mit dabei. Wünschs Debüt in der ersten Mannschaft ließ allerdings noch etwas auf sich warten. In der Saison 1970/71 gab er am 23. Spieltag ab der 83. Minute beim 2:1-Sieg über die BSG Stahl Riesa als Einwechsler seinen Einstand. Auch zwei Wochen später konnte er eine weitere Partie für die Berliner absolvieren.
Am 31. Juli 1971 wurde der Verein nach einem Beschluss des Verteidigungsministeriums nach Frankfurt (Oder) delegiert. „Siggi“ Wünsch spielte 1971/72 nur zwei Oberliga-Partien für die Oderstädter und ver- abschiedete sich im Oktober 1972 aus Frankfurt. Ihn zog es nun zum ambitionierten DDR-Ligisten Energie Cottbus, der bis dato allerdings noch nie in der höchs- ten Spielklasse vertreten war. Als Wünsch mit Energie in seine erste Saison ging, war diese bereits voll im Gange. Der Mittelfeldspieler konnte nach dem Austritt aus der Armee erst Ende November für den neuen Club auflaufen und kam beim Heimspiel gegen Motor Eberswalde (1:0) erstmals von der Bank. Auch im prestigeträchtigen Stadtderby bei Vorwärts Cottbus wurde Wünsch zur Halbzeit eingewechselt - da führte die Armeesportgemeinschaft allerdings bereits mit 2:0 (Endstand: 2:1). Es war jedoch das letzte Spiel, das Wünsch nur als Einwechsler spielen sollte. Die restlichen Spiele der Hinrunde sowie in allen Begegnungen der Rückrunde stand er in der Startelf und spielte eine wirklich tolle Saison. Er passte auf Anhieb ins Spielsystem von Manfred Kupferschmied, der in ihm alsbald schon seinen verlängerten Arm sehen sollte. Energie erreichte mit Wünsch den 2. Platz und nahm an der Aufstiegsrunde zur Oberliga teil. Dort erzielte Wünsch auch seinen ersten Treffer für Cottbus, als es am 6. Spieltag zu Vorwärts Leipzig ging und Wünsch kurz vor der Pause nach einer Ecke auf 2:0 erhöhte (Endstand 2:1). Dieses wichtige Tor ebnete den Weg, der letzt- endlich im Aufstieg enden sollte. Erstmals konnte der Verein in die höchste Spielklasse der DDR aufsteigen.
Bereits in den ersten Spielen schaffte es die Mannschaft sich mit vier Punktgewinnen gegen Karl-Marx-Stadt (1:1), Chemie Leipzig (3:3), Hansa Rostock (0:0)und Rot-Weiß Erfurt (1:1) Respekt zu verschaffen - leider belohnte sie sich dabei nicht mit der doppelten Punktausbeute. Siegfried Wünsch war es übrigens, der beim spektakulären 3:3 in Leipzig nach dem 0:2-Rückstand den Anschlusstreffer erzielte und damit die Aufholjagd seiner Mannschaft einleitete. Erst am letzten Hinrundenspieltag gelang es der Truppe dann auch den ersten Sieg einzufahren - mit 2:1 holte Energie bei Stahl Riesa den ersten Gewinn seiner Oberligageschichte. Wünschs Ansehen in der Mannschaft und beim Trainerteam war auf Grund seiner tollen Leistungen und seines mannschaftsdienlichen Verhaltens sehr hoch und führte letztendlich dazu, dass er zur Rückrunde zum neuen Kapitän ernannt wurde. Am Ende musste die Mannschaft dennoch den Abstieg hinnehmen. Natürlich wurde zur Spielzeit 1974/75 der sofortigen Wiederaufstieg als Ziel ausgegeben und die Mannschaft um Siegfried Wünsch setzte diese Zielstellung auch eindrucksvoll um. Schon früh erklomm die BSG die oberen Plätze der DDR-Liga und gab sich einen Zweikampf mit Lokomotive Dresden. Im Spitzen- spiel am 8. Spieltag kam es zum direkten Vergleich mit den Dresdenern, den Energie mit 4:1 eindrucksvoll für sich entschied - das wichtige 1:0 erzielte dabei Wünsch selbst, der damit den Sieg und auch den Wechsel an der Tabellenspitze einleitete. Energie konnte sich bis zum Schluss ganz oben halten und erreichte erneut die Aufstiegsrunde. Und auch diese wurde trotz hoch- karätiger Konkurrenz wie Union Berlin, Chemie Leipzig oder Wismut Gera siegreich durchlaufen und am Ende stand Oberliga-Aufstieg Nummer zwei zu Buche.
Die zweite Oberliga-Spielzeit unseres Vereins zeichnete sich 1975/76 deutlich erfolgreicher ab als die erste. Der Auftakt wurde mit 1:1 gegen Sachsenring Zwickau gut begonnen und wäre wahrscheinlich noch erfolgreicher gewesen, wenn Wünschs fulminanter Schuss nicht an der Latte sondern im Tor gelandet wäre. Die knappe Niederlage gegen den späteren Meister Dynamo Dresden (3:4) oder das bemerkenswerte 2:2 gegen den Spitzenclub aus Magdeburg waren sicherlich gute Resultate, genauso wie der frühe erste Saisonsieg bei Mitaufsteiger Chemie Leipzig (4:1). Allerdings waren es am Ende wieder eine Reihe von sieglosen Spielen, die der Mannschaft den Klassenerhalt kosten sollten. Für Siegfried Wünsch und seine Mannschaftskameraden begann nun in den kommenden vier Spielzeiten der ewige Kampf um die Rückkehr in die Oberliga. Nach einem ernüchternden fünften Platz 1977 schaffte es die Mannschaft 1978 immerhin wieder auf den zweiten Rang und 1979 sogar wieder an die Ligaspitze. In der anschließenden Aufstiegsrunde scheiterten Wünsch und Co allerdings recht deutlich. Als Wünsch 1979/80 in seine letzte Saison mit Energie ging, konnte er mit der Mannschaft ein letztes Mal den Staffelsieg feiern. Diesmal war der Ausgang denkbar knapper als zuvor - punktgleich mit Chemie Böhlen und mit dem schlechteren Torverhältnis landete Cottbus leider nur auf dem dritten Platz. Damit hatte die lang ersehnte Rückkehr ins Oberhaus auch im letzten Wünsch-Jahr nicht geklappt. Dennoch endete mit seinem Abgang eine Ära, die mit den zwei Aufstiegen in den 70ern auch seine Verdienste deutlich werden lassen. Siegfried Wünsch hatte in acht Jahren Energie 220 Pflichtspiele absolviert und 15 Tore geschossen, war 5 1/2 Jahre lang Kapitän der Mannschaft und stets ein Musterbeispiel an Einsatz und Kampfgeist gewesen. Wünsch entschloss sich innerhalb der Stadt den Verein zu wechseln und kam bei Lok Raw Cottbus unter.
Für Lok Raw Cottbus konnte Wünsch noch sechs weitere Jahre spielen und er begann seine Zeit als Trainer: seit 1985 begleitete er Lok Raw nämlich erst als spielender Co-Trainer, nach seinem Karriereende widmete er sich dann gänzlich der Arbeit mit der Mannschaft auf dem Trainingsplatz und blieb der Lokomotive als Co-Trainer erhalten. Von 1990 bis 2007 schnürte Wünsch dann aber noch einmal aktiv die Schuhe und war bei der Altligamannschaft von Wacker Ströbitz im Einsatz. Alles Gute nachträglich zum 70. Geburtstag, Siggi!
Der zweite Jubilar war zu seiner aktiven Zeit ein echter Torjäger war. Peter Zierau spielte zwischen 1977 und 1981 für Energie und erreichte in jeder Saison Topstürmer-Werte. Drei Mal schaffte er es mit Energie in die Aufstiegsrunde zur Oberliga und erzielte dabei 1981 wichtige Tore zum lang ersehnten Aufstieg. Mit 64 Treffern in 112 Spielen trug er sich in die Energie-Geschichtsbücher ein und hat damit eine der besten Stürmer-Quoten der Vereinshistorie. Außerdem trainierte Zierau später noch das Juniorenteam unseres Vereins. Peter Zierau wird heute 70 Jahre alt! Peter Zierau ist gebürtiger Magdeburger und erblickte 1950 in der Elbestadt das Licht der Welt. Noch nicht einmal acht Jahre alt, fand er im SC Aufbau Magdeburg - dem Vorläufer des 1. FC Magdeburg - seinen ersten Ver- ein. Dort spielte er sich durch alle Altersklassen und wurde 1966 mit dem FCM DDR-Jugendmeister. Nach seiner Schulzeit absolvierte er eine Lehre zum Rohr- schlosser. 1968 verließ Zierau den 1. FC Magdeburg und wechselte zum Lokalrivalen Turbine Magdeburg, wo er als Mittelstürmer in der drittklassigen Bezirksliga spielte. Im Mai 1969 trat er seinen Wehrdienst an und wechselte dafür zur Armeesportgemeinschaft Vorwärts Stralsund in die DDR-Liga. In der Saison 1970/71 wurde er mit 15 Treffern Torschützenkönig in der Liga-Staffel Nord und schaffte mit der ASG den Aufstieg in die DDR-Oberliga.
Da Vorwärts Stralsund Ausbildungsgemeinschaft für den Armeeschwerpunktklub FC Vorwärts Frankfurt war, wurde Zierau zu Beginn der Spielzeit 1971/72 zum Oberligisten nach Frankfurt delegiert. Dort spielte er anfangs für die zweite Mannschaft, kam am 28. November 1971 dann allerdings zu seinem ersten Oberligaeinsatz. In der Begegnung des 8. Spieltages Frankfurt – Hansa Rostock (1:0) spielte er in vorderster Front und erzielte auch gleich das Siegtor. Während der gesamten Saison kam der großgewachsene Zierau zu 14 Einsätzen und erzielte dabei vier Tore. Dann wurde es etwas stiller um Zierau, der erst am 12. Spieltag der Saison 1973/74 wieder in der ersten Mannschaft des FCV zum Einsatz kam und anschließend alle restlichen Oberligapunktspiele bestritt. Sein Comeback krönte er mit zehn Toren, mit denen er Torschüt- zenkönig der Mannschaft wurde. Anfang 1974 war Zierau in das Visier des DDR-Staatssicherheitsdienstes geraten, nachdem Kontakte nach West-Berlin ermittelt worden waren. Nach monatelanger Bespitzelung wurde im Juli die Armeeführung informiert, die Zierau daraufhin wegen der unerlaubten Westkontakte zum 31. August 1974 aus dem Armeedienst entließ. Damit war zugleich die Entlassung aus dem Armeeklub verbunden, der DDR-Fußballverband sprach zusätzlich eine lebenslange Oberligasperre aus. Die Öffentlichkeit wurde über den Vorgang nicht informiert, sein Abgang beim FCV wurde von der Sportpresse kommentarlos und ohne Angabe der neuen Mannschaft gemeldet. Zierau war jedoch im September 1974 zum DDR-Ligisten Stahl Eisenhüttenstadt gewechselt, wo man Fälle wie den in Ungnade gefallenen Spieler sehr gerne aufnahm. Dort blieb er für drei Spielzeiten und wurde 1976 mit 14 Treffern bester Torschütze der Stahl-Mannschaft.
Im Jahr 1977 kam das Interesse der BSG Energie an Zierau auf, der sich daraufhin Cottbus anschloss. Schon in seinem ersten Ligaspiel am 21. August 1977 erzielte Zierau sein erstes Tor für Energie und hätte bei der 2:3 Niederlage in Gröditz dank seines Ausgleichstreffers fast für einen Punktgewinn gesorgt. Nur eine Woche später war er beim Remis in Espenhain erneut als Schütze des 2:2 auf dem Spielberichtsbogen und brachte Energies ersten Saisonpunkt. Als es am 5. Spieltag zum Spitzenspiel gegen Lokomotive Dresden kam, erwischten Zierau und Co einen echten „Sahnetag“ und schickten den Gegner mit 4:0 nach Hause. Zierau war auch diesmal wieder unter den Torschützen und fügte seinen insgesamt sieben Saisontoren einen weiteren hinzu. Am Ende landete Energie jedoch hinter den Dresdenern und verpasste somit die Aufstiegsrunde zur Oberliga. Besser lief es für die Mannschaft 1978/79, wo auch Zierau noch einmal zwei Schippen drauflegte. Mit sieben Siegen startete Energie in die Liga-Saison und setzte sich gleich mal an der Spitze fest. Zierau war dabei in überragender Frühform und erzielte acht Tore in den besagten Auftaktspielen - dabei gelang ihm an Spieltag 2, 3 und 4 jeweils ein Doppelpack. Zierau traf aus allen Lagen, Winkeln und Situationen, bewies seine Kaltschnäuzig- keit vor dem Kasten und stand immer da wo ein Mittelstürmer zu stehen hatte. Sein Torinstinkt brachte ihm 17 Tore in 22 Spielen und schoss Energie zum verdienten Staffelsieg. Nur in der Aufstiegsrunde tat sich die Mannschaft merklich schwerer, wo der FC Vor- wärts Frankfurt (Oder) und Chemie Leipzig die Spiele dominierten und letztendlich aufsteigen konnten.
So musste Peter Zierau auch in der Folgesaison wieder in der DDR-Liga ran und konnte seine Wahnsinns- quote aus dem Vorjahr sogar noch einmal verbessern. Nichts und niemand konnte den Toptorschützen der Liga aufhalten, der in 20 Spielen für Energie bärenstarke 19 Tore erzielte und damit den zweiten Staffelsieg in Folge und die nächsten Aufstiegsspiele mit Cottbuser Beteiligung ermöglichte. Und auch hier steigerte sich Zierau abermals, schoss in sechs Relegationsspielen vier Tore und tat alles für den Mannschaftserfolg - nur waren am Ende die Mannschaften von Hansa Rostock und die mit Energie punktgleichen Böhlener letztlich die Feiernden. Die Fans von Energie krönten ihren Peter aber dann doch noch erstklassig und sorgten mit der Auszeichnung „Energie-Fußballer des Jah- res 1980“ für etwas Aufmunterung. Zierau ging in seine vierte und letzte Saison mit Energie und sollte der Mannschaft zum Abschied dann doch noch den Aufstieg schenken. Zum dritten Mal in Folge holte Energie den Sieg in der Liga-Staffel und ließ die Verfolger aus Gröditz, Werdau und Schwarze Pumpe meilenweit hinter sich. Gegen all diese Verfolger trug sich auch Zierau wieder in die Torschützenliste ein und verwies sie mit erneut sehr starken Leistungen auf die Plätze. In 18 Partien steuerte der Vollblutstürmer wieder elf Tore bei und konnte auch in der anschließenden Aufstiegsrunde zur Oberliga gegen Schiffahrt/Hafen Rostock und Motor Suhl (je 2:0) mit Toren aufwarten. Energie schaffte nach etlichen Jahren Abstinenz somit wieder einen Aufstieg in die höchste Spielklasse. Zierau hingegen sah dies mit einem lachenden und einem weinenden Auge - der Mannschaft durfte er auf Grund seiner lebenslangen Oberliga-Sperre nicht nach oben folgen, mit seinen 31 Jahren hängte er auch deswegen nun die Schuhe an den Nagel. 112 Spiele und unglaubliche 64 Pflichtspieltore runden seine starke Zeit bei Energie ab.
Nach seinem Karriereende fand Zierau dann aber noch in zweierlei Hinsicht zum Verein zurück. Von 1982 bis 1998 spielte er für die Altliga-Mannschaft von Energie insgesamt 187 Spiele und schoss überragende 271 Tore. Außerdem gab er 1983/84 seine gesammelten Erfahrungen an den Nachwuchs weiter und war als Co-Trainer der Juniorenmannschaft der BSG tätig. Auch Dir alles Gute nachträglich zum 70. Geburtstag, Peter!

