Wir brauchen ein Erfolgserlebnis
Der FC Energie steht im Heimspiel gegen den TSV 1860 München sichtlich unter Druck und muss sich gemeinsam mit den Energiefans aus der Situation befreien und lösen. Claus-Dieter Wollitz weiß worauf es ankommt, hat die Lage klar analysiert und wirbt für den notwendigen Schulterschuss.
„Schönen guten Tag. Fangen wir wieder mit der Verletztenliste an. Jonas Zickert: Fußsohle – laufen ist nicht möglich. Wenn Lars Bender trainiert hat, dann gab es immer wieder Probleme mit dem Oberschenkel. Vermutet wird, dass es unter Umständen auch vom Rücken her kommen könnte. Es wurde jetzt nun noch ein MRT gemacht, die Befunde liegen aber noch nicht vor. Kevin Scheidhauer bekommt eine Spritzenkur am Schambein, Daniel Stanese macht gute Fortschritte - da ist der Heilungsverlauf besser als gedacht und Niklas Geisler soll kommende Woche wieder einsteigen. Eine Hiobsbotschaft gab es bei Philipp Knechtel, eigentlich schon beim Spiel in Meppen. Da ist es ein Muskelfaserriss genau an dem künstlichen Teil des Kreuzbandes. Es ist so schade bei den beiden Jungs Zickert und Knechtel, gerade weil wir auch vor der Saison die Hoffnung hatten - auf die Cottbuser Jungs. Und dann immer wieder diese Rückschläge. Und Avdo Spahic hat Probleme am rechten Oberschenkel, er hat gestern trainiert und ist heute wieder raus. Wir müssen schauen, ob er das Abschlusstraining mitmachen kann. Die Chancen sind 50:50. Wenn dem so ist, dass er nicht spielen kann, dann wäre das extrem schade. Gerade auch mit den Diskussionen, die letzte Woche aufkamen“, reißt Claus-Dieter Wollitz die Personalsituation ab.
„Um es auf den Punkt zu bringen. Die Fehler müssen abgestellt werden. Die Mannschaft ist dann plötzlich keine Mannschaft mehr, die Mannschaft kämpft nicht mehr und alles wird hinterfragt. Also nur zum Protokoll. Am 4. Spieltag in Würzburg haben wir auch diese Fehler gemacht und da haben wir 3:1 verloren. Da gab es keine Kritik. Ich sage ihnen auch etwas - die beiden letzten Spiele haben wir besser gespielt. Kritik ist legitim, sportliche Kritik sowieso - auch die Sinne schärfen ganz klar. Aber wenn es persönlich wird - das finde ich nicht in Ordnung und das bringt auch nichts. Dennoch müssen wir am Samstag alles in die Waagschale werfen, um einen Dreier zu holen. Ein Dreier würde uns da nicht Luft verschaffen, aber würde uns die Möglichkeiten geben in den nächsten Spielen wieder diese Selbstverständlichkeit zurückzubekommen“, so Wollitz.
Auf die Aussage eines MDR-Reporters, der die Abwehr als nicht drittligatauglich bezeichnet hatte, gab der Trainer ebenfalls eine Antwort: „Ich versuche alles auszublenden, was negative Kommentare betrifft. Die Situation ist kompliziert, unangenehm und gefährlich. Dennoch ist die Bezeichnung für den Ist-Zustand, den jetzigen Moment nicht zutreffend. Mit dem letzten Spiel da so in der Aussage zu tätigen? Das kann höchstwahrscheinlich nur wegen des Ergebnisses so getätigt worden sein. Denn das Spiel hat das nicht widergespiegelt. Wir hatten die erste Chance des Spiels, wir treffen den Innenpfosten und der springt aber nicht rein zu Beginn der zweiten Halbzeit. Wir haben in dem Ballverlust vor dem 0:3 eine „4 auf 2“-Situation und verlieren den Ball. In der Endkonsequenz war das nicht die Hauptschuld der Verteidigung, denn ich glaube schon, dass man dann im Mittelfeld eine andere Möglichkeit hat, das zu verhindern. Das haben wir aber nicht gemacht. Und nach dem 0:3 hat man dann auch gesehen, dass die Enttäuschung riesengroß war. Es auf ein Spiel so zu kommunizieren, dass die Abwehr nicht drittligatauglich sei?! Das glaube ich nicht. Dass wir insgesamt im Saisonverlauf zu viele Gegentore bekommen haben, ist unbestritten. Aber die sind nicht dadurch entstanden, weil wir nicht konkurrenzfähig sind, sondern durch individuelle Fehler. Es liegt nun an uns diese Aussagen zu widerlegen und zu zeigen, dass das nicht der Fall ist.“
Wollitz ergänzt: „Natürlich sind auch wir angespannt und nervös. Aber wir müssen mit der Situation ruhig und besonnen umgehen und analysieren. Wir brauchen ein Erfolgserlebnis, um Selbstbewusstsein zu tanken. Und das bekommst Du durch positive Ergebnisse. Wir haben in den letzten Spielen nicht gesehen, dass wir verunsichert wären – diese Verunsicherung kam erst mit den Gegentoren. Wenn du dich als Spieler weiterentwickeln willst, dann musst du die Situation annehmen. So schlimm wie das ist, ist es aber auch gut, denn du brauchst Nehmerqualitäten.“
Abschließend emotionalisierte der Übungsleiter: „Untergangsszenarien mache ich nicht mit. Wir haben auch Sorgen. Diese Sorgen waren aber schon im Sommer riesengroß, falls sie sich erinnern. Am 27. Mai, als es hier Sektduschen gab, da war ich nachdenklich. Mit dem Wissen, das nichts möglich ist. Wir durften zwei Spieler holen als Aufsteiger und es war zu erkennen, dass es die unerfahrenste Mannschaft ist. Und da wurde über Tim Kruse diskutiert, ob er überhaupt nochmal 3. Liga spielen kann. Ich sage ihnen was: Mit Tim Kruse haben wir fünf Spiele gewonnen, ohne ihn nur eins. Seit dem 10. November hatten wir aus dem Spiel heraus so viele Verletzte. Und ich mache das sonst nicht, so etwas vorzuschieben.
Das größte sind natürlich solche Spiele wie in Rostock oder Kaiserslautern zu gewinnen. Und das schönste ist dort mit den Fans zu feiern, ob dann 1000 mitfahren oder wie viel auch immer. Und jetzt konnte man das ja auch erkennen, dass die Mannschaft Torchancen hat – nur wir dürfen diese einfachen Fehler nicht mehr machen. Wir dürfen uns immer nur auf das nächste Spiel konzentrieren und das heißt jetzt 1860 München. Wir haben in diesen 90 Minuten alle Chancen, das Spiel zu gewinnen und sowieso dann, wenn man das Gefühl der Unterstützung hier hat. Im Stadion der Freundschaft den 12. oder 13. Mann. Natürlich soll das vom Rasen auf die Ränge kommen. Aber jetzt die Situation mal so annehmen und sagen: Klar ich bin nicht zufrieden als Fan, als Sponsor und als Verantwortlicher, aber sie ist nun mal so. Das geht uns sehr nahe. Und es geht uns sehr nahe, wenn wir die Fans nicht zufriedenstellen. Nichts möchten wir mehr, als den Fans und der Region alles zu zeigen und uns selbst bestätigen. Das Ziel Klassenerhalt erreichen. Aus der Sorge und Angst einen Schulterschluss machen und jetzt gemeinsam dieses Ziel so angehen, wie sich das gehört. Im Stadion!“

