26.04.2022 14:31 | Ein Resümee der Auftaktveranstaltung "Alles für Energie"

Offen, ehrlich, provokant - mit einem Ziel!

Am Montagnachmittag folgten etwa 400 Gäste dem Aufruf des FC Energie zur Auftaktveranstaltung „Alles für Energie“: darunter Mitglieder,  Sponsoren, Personen aus Politik und Wirtschaft, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Vereins sowie zahlreiche Spielerinnen und Spieler aus dem Nachwuchsleitungszentrum. Ein geschlossenes Bild, was der Intention auf der Suche nach dem viel zitierten „WIR-Gefühl“ einen würdigen Rahmen verlieh.

Die Veranstaltung begann wortlos mit dem Imagevideo des FC Energie aus dem Kalenderjahr 2020. Mit Bildern und Erinnerungen an die Highlight-Spiele gegen den FC Bayern München im DFB-Pokal sowie gegen Borussia Dortmund als freundschaftliche Unterstützung unseres Vereins. Bilder und Emotionen, die wir alle gerne und bestenfalls zeitnah in ähnlicher Form wieder erleben möchten.

Moderator Fabian Schüler leitete durch den Abend und begann das Publikum ein wenig darauf vorzubereiten, was es an diesem Nachmittag erwarten sollte. Vorangestellt wurde, dass alle im Verein tätigen Personen Fehler aus der Vergangenheit nicht wiederholen möchten, gemeinsam mit den Menschen aus Stadt und Landkreisen einen neuen Weg gehen möchten, es aber nicht so sein wird, als dass es an diesem Abend einen Maßnahmenkatalog geben würde. Ein Prozess soll beginnen bzw. wurde am Montag begonnen.

Anschließend übernahm Präsident Sebastian Lemke das Mikrofon, begrüßte die Anwesenden und stellte klar, dass die Grundintention die Öffnung des Vereins unter selbstkritischer Betrachtungsweise sei und dafür jeder benötigt und gern gesehen ist. Zudem sei es von enormer Bedeutung nicht „im eigenen Saft zu schmoren“, sondern einen unbefangenen Blick von außen zu erhalten, um ein fundiertes Bild des IST-Zustanden zu erhalten. Hierfür hatte sich in angenehmen Gesprächen herausgestellt, dass die in Lauchhammer geborene Frau Dr. Heike Faust zum einen ein hohes Maß an Eigenmotivation, um in der Heimat helfen zu dürfen, mitbrachte und zum anderen aufgrund ihrer weitreichenden Erfahrungen sowie des fachlich professionellen Backgrounds geeignet ist um diesen Prozess des Vereins zu begleiten.

Dann übernahm Dr. Faust das Wort, gab zunächst ein paar Details zu ihrer Person zum Besten und berichtete eingangs über ihre ersten Eindrücke, angenehme Interviews und tolle Menschen, die sie kennenlernen durfte. Mit verschiedenen Personen angefangen von Gremienvertretern, über den Cheftrainer, der Familie Schlodder bis hin zum Traditionsbeauftragten und Museumsleiter René Stiller, waren zahlreiche Protagonisten dabei. Alle Beteiligten bekamen in teils mehr als zweistündigen Interviews dieselben Fragen gestellt, um ein sinnvoll vergleichendes Bild zu erhalten. Fragen, die sehr tiefgründig, komplex und auch ein stückweit provokant waren.

Ebenso provokant waren dann auch die Fragestellungen, die Frau Dr. Faust im Rahmen ihrer Bestandsaufnahme auf der Videoleinwand präsentierte. Ist der FC Energie ein arroganter Verein? Nimmt sich der Club selbst zu wichtig? Werden Sponsoren, Fans und Unterstützer vielleicht auch vernachlässigt? – waren erste Ansatzpunkte, die allein schon der starken und klaren Wortwahl wegen aufhorchen ließen.  Sind wir ein Verein, der über sich selbst schlecht redet – eine launische Diva? Wollen wir das sein? Es gab zuweilen eine große Instabilität, bedingt durch häufige Wechsel in Gremien, Geschäftsführung, Geschäftsstelle und Kader des Vereins. „Der Verein braucht Stabilität“, sagte die promovierte Sportwissenschaftlerin.

Was wollen wir sein? Diese Frage zu beantworten wird das definierte Ziel diesen nun auf den Weg gebrachten Prozesses sein. Ein Leuchtturm, ein Energiefeld, eine Lausitz oder die Fußball-Region? Vielleicht ja auch ein wenig von allem - doch dafür benötigt es Strukturen und Strategien. Lasst uns daran arbeiten.

Frau Dr. Faust machte aber auch deutlich, dass keineswegs alles schlecht sei und dieser Eindruck gar nicht erst entstehen soll, dass das WIR-Gefühl vorhanden ist, vielleicht nur etwas eingestaubt. Man sei oftmals zum Improvisieren gezwungen, macht das jedoch seit Jahren sehr, sehr gut. Spieler und Trainer haben beste Bedingungen beim FC Energie und ein Nachwuchsleistungszentrum, auf das wir alle stolz sein können, nennt der Club sein Eigen. Die Identifikation ist hoch, der Stolz auf den Verein ist spürbar.

Defizite wurden in der vereinsinternen Zusammenarbeit lokalisiert, da greifen nicht alle Rädchen in das andere. Die Kommunikation untereinander ist nicht immer stimmig und auch die Wertschätzung scheint nicht angemessen gegeben zu sein. Auch werden Konflikte, die grundsätzlich etwas Positives darstellen, weil Reibung auch Wärme erzeugt und so ein bisschen „wie Goldstaub ist“, nicht zielführend ausgetragen, ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Geben und Nehmen sei „unrund“.

Wir brauchen Ziele, ein gutes Miteinander, Respekt und Anerkennung, Stabilität und natürlich auch Erfolge. Und das nicht nur sportlich, auch wenn das ein entscheidender Faktor ist. Wir brauchen Fan-Nähe, begeisterte Sponsoren, Vereinsliebe und mehr Mitglieder und Zuschauer. Wir brauchen die Stadt und die gesamte Region! Und so schloss sich der Kreis mit Zielstellungen, die nun in Workshops erarbeitet werden sollen. Anregungen, Hinweise, Ideen oder Euer Interesse an diesem Prozess aktiv mitwirken zu wollen, sendet Ihr bitte an die E-Mail: s.scharfenberg-hecht@fcenergie.com. In verschiedenen Workshops soll der Prozess in den kommenden Wochen und Monaten vorangebracht und sukzessive mit Leben gefüllt werden.

Die Präsentation findet Ihr hier.

Staunen und Applaus begleitete Frau Dr. Faust bei Ihren zusammenfassenden Worten und Fabian Schüler bat danach Cheftrainer Claus-Dieter Wollitz, Mister Energie und Präsidiumsmitglied Ralf Lempke und René Stiller auf die Bühne. In lockerer Atmosphäre ging es um die Wünsche für die Zukunft. Ralf Lempke begann, sprach von einem Zusammenhalt, den es früher gab, und den man ohne zurückblicken zu wollen, neu entfachen möchte. Die Energie-Legende zeigte sich zuversichtlich und war froh, dass die Resonanz entsprechend groß war.

Pele Wollitz wird den sportlichen Weg begleiten und warnt vor Egoismus, den es zu oft in der Vergangenheit gegeben habe. In die gleiche Richtung argumentierte René Stiller: „Man sollte sich nie so wichtig nehmen. Es geht bei Energie um das WIR“. Dabei sprach er explizit auch die jungen Nachwuchskicker des FC Energie an, denn auch sie sind Transporteure des Clubs: „Benehmt Euch, seid demütig, dankbar, aber auch stolz auf diesen Club.“

Ein Satz der Allgemeingültigkeit besitzt – für jeden, der es mit dem FC Energie hält. So argumentierte auch Ralf Henkler (Bundesverband mittelständische Wirtschaft und Energieclub90-Mitglied) im Rahmen der offenen Diskussionsrunde zum Ende. Wenn jeder Einzelne auf Arbeit seinen Vorgesetzten und Chef transportiert, wie wichtig und toll der FC Energie ist, dann wird es auch leichter noch mehr Unternehmen für den Club zu begeistern. Insbesondere im mittelständischen Bereich in der Lausitz. „Das Geld, was damit generiert werden kann, ist am Ende der Schlüssel für einen anderen Fußball.“

Die frühere Fansprecherin Bianca Koch, bekannt als „Urmel“ brach zum Ende hin noch eine Lanze für die Angestellten des FC Energie und traf damit auch einen wichtigen Punkt im Verhältnis zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Es sei unmöglich, dass die Angestellten des Vereins noch alle Ansprüche erfüllen können, wenn diese stetig auf weniger Schultern verteilt werde mussten, denn die Geschäftsstelle ist über die Jahre immer weiter geschrumpft. Sie rief aber auch die Geschäftsführung auf, nach neuen Wegen zu suchen.

Frau Dr. Faust griff dies auf und resümierte, dass man eben genau schauen muss, welche Ressourcen zur Verfügung stehen. Wer und wie kann man unterstützen. Genau das ist ein Teil des komplexen Prozesses. „Das macht man nicht in zwei Monaten.“

Fortsetzung folgt…