"Im Profifußball etablieren und zukunftssicher aufstellen“
Sebastian Lemke, eine lange und bewegende Saison ist vorbei. Wie ist Ihre Gemütslage so wenige Tage nach dem letzten Spiel?
Ich würde lügen, wenn nicht nach dem Samstag auch etwas Traurigkeit, ich mag es definitiv nicht Enttäuschung nennen, bei uns allen geherrscht hat. Wir alle durften träumen und wollten das Unmögliche möglich machen. Es hat am Ende nicht sollen sein. Das müssen wir so akzeptieren. Wir haben mehr erreicht, als uns alle Fachleute im Sommer zugetraut haben. Das bleibt am Ende stehen und sollte als ein mehr als positiver Aspekt betrachtet werden.
Möchten Sie dieses Fazit noch ein wenig konkretisieren?
Sehr gerne. Was wir in dieser Saison abgeliefert haben, das gleicht einer Sensation. Und das ist keine Übertreibung, sondern eine klare realistische Betrachtungsweise. Wir haben eine fantastische Hinrunde gespielt und dabei einen Fußball zelebriert, der die gesamte Liga begeistert hat. Das war Werbung für die 3. Liga und es war Werbung für Energie Cottbus. Wir haben Mannschaften Paroli geboten, bei denen die Lizenzspieleretats drei- bis viermal so hoch waren als unserer. Finanziell bewegten wir uns auf einem Abstiegsplatz, was das Ganze noch unglaublicher macht. Herausstellen möchte ich dabei unbedingt, dass neben allen, die daran mitgewirkt haben, mein ganz besonderer Dank Pele gilt. Was er hier seit Jahren leistet, das kann ich kaum in Worte fassen und verdient allerhöchste Anerkennung und Respekt.
Nach dem Ausscheiden im Landespokal wurde mit dem vierten Platz die Teilnahme am DFB-Pokal gesichert. Das war sicher ein wichtiger Punkt?
Das ist für uns ein ganz wichtiger Bestandteil der Etatplanung und das Ausscheiden in Stahnsdorf hätte so einfach nicht passieren dürfen. Umso wichtiger ist, dass wir es erreicht haben und damit rechnen können. Hinsichtlich Planungssicherheit möchte ich zunächst noch einmal Danke sagen an unsere Sponsoren und Partner, an alle Mitglieder und Fans für diese unglaubliche Unterstützung. Ohne Euch, wäre all das in den zurückliegenden Jahren nicht möglich gewesen.
Es gibt auch Stimmen, die sagen, dass die Beendigung von Vertragsgesprächen mit den Spielern nach dem Winter ein Fehler gewesen wäre. Was entgegnen Sie denen?
Zunächst steht es erstmal jedem frei, eine Meinung zu haben. Dennoch wage ich zu bezweifeln, dass außer den Spielern selbst mit ihren Beratern, Pele und mir noch jemand bei solchen Gesprächen dabei war. Wir haben unseren FC Energie nicht bis zu diesem Punkt hier gebracht, weil wir uns treiben lassen und verrückte Dinge machen. Mehrfach haben wir gesagt, dass wir nur das bestellen, was wir auch bezahlen können. Und dabei bleibt es! Dass solch eine Hinrunde Begehrlichkeiten, Interesse, Wünsche und auch Ansprüche geweckt hat, das ist etwas ganz Normales. Dennoch haben wir einen Rahmen, den wir nicht verlassen können. Wenn man dann nicht zusammenkommt, dann gehört das zu diesem Geschäft dazu.
Waren die eine oder andere Forderung von Beratern oder Spielern schlichtweg zu hoch?
Ich habe vorhin bereits gesagt, in welchem finanziellen Rahmen wir uns ligaweit bewegen. Der Markt in dieser Liga ist extrem preisgetrieben, da können und werden wir nicht mithalten. Da möchte ich aber weder unseren Spielern noch ihren Beratern auch nur ansatzweise etwas vorwerfen. Das soll hier auch ganz klar und deutlich zum Ausdruck gebracht werden. Das ist alles absolut legitim, nur leider nicht mit unserem Budget vereinbar. Und das ist der entscheidende Fakt. Ich möchte es einmal plakativ und ganz einfach runterbrechen: Wenn man beispielsweise alle auslaufenden Verträge mit einer gewissen Prozentzahl an Erhöhung verlängern würde, dann steigt der benötigte Etat um diesen Prozentsatz. Dann hat man aber noch nichts im Team verändert und keinen Neuzugang verpflichtet.
Das klingt nachvollziehbar und logisch. Wie sehen denn jetzt die personellen Planungen für die Saison 2025/2026 aus?
Unser Kaderplaner Maniyel Nergiz und Pele sind da unermüdlich dran. Maniyel war seit Januar zehntausende Kilometer unterwegs, hat hunderte Spiele geschaut und dabei extrem viel Input mitgebracht. So wie vereinbart werden die Gespräche mit dem einen oder anderen Spieler jetzt nach der Saison stattfinden und auch mit potenziellen Neuzugängen gibt es bereits einen regen Austausch.
Sind diesbezüglich schon zeitnah erste Entwicklungen absehbar?
Wenn wir von etwas überzeugt sind, dass es unserer Mannschaft weiterhelfen wird und man sich wirtschaftlich einig ist, dann kann es auch mitunter sehr schnell gehen. Wir arbeiten daran, dass wir eine konkurrenzfähige und gute Mannschaft aufstellen, die für uns ab Anfang August in die neue Saison geht.
Wie werden die Ziele für das neue Spieljahr denn aussehen?
Das Ziel kann und wird der Klassenerhalt sein! Wir möchten unseren Club langfristig im Profifußball etablieren und zukunftssicher aufstellen. Ich warne inständig davor, die Situation zu verkennen und womöglich zu glauben, dass nach einem vierten Platz in diesem Jahr, nun im zweiten etwas mehr kommen soll. Das wäre fernab jeglicher Realität und praktisch absurd. Wir werden die Saison ruhig, besonnen und vernünftig planen. So, wie wir das immer getan haben.
Was tut sich in den kommenden Tagen fernab der Mannschaft im Verein? Welche Aufgaben stehen an?
Zahlreiche Dinge, denn die neue Saison muss vorbereitet werden. Für ausschweifenden Urlaub ist jedenfalls keine Zeit. Wir haben einige infrastrukturelle Projekte wie beispielsweise die Modernisierung des Mediencenters oder auch die eine oder andere Baustelle am Stadion müssen wir schließen. Einige Nachweise für die Lizenz reichen wir fristgerecht ein und auch medial möchten wir neue Akzente setzen. Zudem wird das neue Ticketsystem an den Start gehen, denn wir möchten bald mit dem Dauerkartenverkauf beginnen. Hierfür müssen aber noch etliche Datensätze übernommen werden und auch die Anpassungen der Preisstruktur ist ein großes Thema. Das nimmt alles durchaus einiges an Zeit in Anspruch.
Die Preise für die kommende Saison in der 3. Liga werden also steigen?
Ja. Wir haben sehr lange gerechnet, debattiert, abgewogen und eine solide und wirtschaftlich vernünftige Planung aufgestellt. Es fällt uns selbstverständlich nicht leicht, dass wir aufgrund der gesamtheitlich steigenden Preisentwicklung, die ja sämtliche Bereiche betrifft, die Eintrittspreise für die kommende Saison anpassen und somit anheben müssen. Müssen ist hierbei der entscheidende Punkt, damit wir effektiv nicht weniger zur Verfügung haben, als es in der abgelaufenen Spielzeit der Fall war. Besonders wichtig war es uns, dass wir unter den Gesichtspunkten die Dauerkarte noch attraktiver machen und jetzt vier - statt bisher drei Spiele - als Bonus geben! Auch haben wir die Kindertickets weitestgehend herausgelassen, weil das auch ein stückweit zu unserer Philosophie geworden ist, dass wir die jüngsten Energiefans für uns begeistern und Familien nicht noch stärker belasten wollen.
Wie wird sich diese Erhöhung in den Ticketpreisen niederschlagen?
Wir werden die Sitzplätze um drei Euro und die Stehplätze um zwei Euro anheben. Was zunächst sehr viel klingt, stellt sich in Wirklichkeit aber gar nicht so dar. Beispielweise wird künftig beim Onlinekauf keine Dienstleistergebühr mehr anfallen! Diese Gebühren haben wir bei der Anpassung, so wie es auch viele andere Proficlubs machen, bereits in den Gesamtbetrag eingepreist. Immerhin sprechen wir hier von zuvor 10 Prozent, die bei einer Bestellung auf den Ticketpreis „on top“ kamen.
Was ist der Gedanke hinter dieser Maßnahme?
Das Thema Nachhaltigkeit bekommt einen immer größeren Stellenwert, vor allem auch im Rahmen des Lizenzierungsverfahrens, ob nun beim DFB oder auch der DFL. Es ist nur logisch, dass wir unseren Club auch in diesem Metier weiterentwickeln müssen. Das geht nicht von jetzt auf gleich, aber wir haben schon einige wichtige Weichen gestellt. Ein Teil von dieser Entwicklung ist, dass wir unser Ticketing neu aufstellen und jetzt mit egocentric Systems zusammenarbeiten. Sie bieten uns mehr und vor allem flexiblere Möglichkeiten, die letztlich auch unseren Fans zugutekommen. Ziel ist es, dass wir künftig so viel wie möglich online abwickeln können. Das spart bereichsübergreifend Ressourcen und letztlich auch Kosten. Eine Dienstleistergebühr, die gesondert ausgepreist ist und bei der Buchung hinzukommt, ist für eine solche Entwicklung eher ein Hemmnis. Das zeigen Marktanalysen eindeutig.
Kommen wir noch einmal zur Dauerkarte zurück. Wird sich der Verein hierbei ähnlich wie bei den Mitgliedern ein Ziel setzen?
Ich habe ja den Wunsch, oder nennen wir es Traum, geäußert, dass wir zum 31. Januar 2026 die Marke von 6.000 Vereinsmitgliedern erreichen. Es wäre grandios. Genauso hoffen wir, dass wir in dieser Saison mehr Dauerkarten als in der vergangenen Saison verkaufen. Wir hatten etwa 4.300 Dauerkarten, so dass über 5.000 doch eine tolle Zahl wäre. Beide Faktoren sind wirtschaftlich von enormer Wichtigkeit für uns, weil sie uns eine größtmögliche Planungssicherheit geben. Nicht zuletzt deshalb haben wir uns entschieden, den treuen Dauerkarteninhabern ein Spiel mehr in den Bonus zu geben. Uns ist bewusst, dass das auch alles sehr viel Geld kostet, das der Fan auch erst einmal investieren muss. Wir prüfen gerade, ob vielleicht sogar die Umsetzung einer Ratenzahlung für die Dauerkarte möglich ist. Das möchte ich aber noch nicht versprechen.
Möchten bzw. können Sie denn abschließend etwas versprechen?
Versprechen kann ich guten Gewissens, dass wir als Club in unserer Zusammensetzung mit Pele und seinem Staff, mit unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, dem Verwaltungsrat und Präsidium weiter so vertrauens- und verantwortungsvoll für unseren FC Energie arbeiten werden. Die Mannschaft hat es auf dem Banner gezeigt, denn es heißt nicht zuletzt für uns alle: „Immer vorwärts Energie!“.
