10.04.2018 15:08 | Der Spagat zwischen Sport und Zündstoff

Felsbrocken im Weg

Auf der Pressekonferenz vor dem Auswärtsspiel ging es nur zu Beginn um den morgigen Vergleich bei der 2. Mannschaft von Hertha BSC, dann wurde es emotional und hitzig.

„Tim Kruse hat nach wie vor Probleme. Er war gestern nochmal beim Arzt und die Prellung lässt einen Einsatz morgen nicht zu. Marcelo fällt definitiv aus, er war gestern beim Neurologen. Es ist nach einem groben Foulspiel ein Nerv getroffen und er kann weiterhin den Zeh nicht richtig bewegen. Das soll laut Aussagen innerhalb einer Woche wieder verschwinden, ansonsten müsste es weitere Untersuchungen dazu geben. Wir haben auch Weidlich mit einer schweren Prellung aus dem Spiel mitgenommen. Streli Mamba hat muskuläre Probleme, wenn sich das nicht anders darstellt, dann wird er morgen nicht dabei sein“, ist die personelle Lage seit Sonntag angespannter.

„Es gibt ja einige Spieler, die eine Option sind. Geisler zum Beispiel. Wenn man sieht, wie stark er in Babelsberg die letzten 20 Minuten wieder agiert hat. Scheidhauer auch Siebeck ganz klar. Das kann ich jetzt aber noch nicht abschließend sagen. Mal schauen“, führt Claus-Dieter Wollitz fort und gibt einen einschätzenden Blick auf Spiel und Gegner: „Es ist ja so, dass es der eine oder andere Spieler schon nach oben geschafft hat. Fakt ist, wir brauchen noch Punkte. Weil ich das nicht so sehe, dass Energie Cottbus jetzt schon gegen den oder den in der Relegation antritt. Wir müssen unsere Hausaufgaben machen, gerade auch gegen diese Mannschaft, wo Du nie weißt, was Du bekommst. Was uns liegt ist, wenn wir im „Hier und Jetzt“ spielen. Dass es bei zweiten Mannschaften taktisch und spielerisch eher mehr Gewicht hat, als das Ergebnis kommt uns spielerisch vielleicht entgegen. Es ist aber auch eine große Gefahr. Wichtig ist, dass wir in unser Spiel wieder mehr Nachhaltigkeit bekommen, über die vollen 90 Minuten. Deshalb im Hier und Jetzt und die optimale Leistung abliefern.

Kurz vor der Pressekonferenz erreichte die ablehnende Information des Verlegungsantrages beim Fußballlandesverband den Trainer und dann wurde er deutlich: „67 Punkte werden nicht reichen. Das muss man sich mal vorstellen. Du brauchst fast 80 Punkte um Erster zu werden und musst dann noch zwei solche Spiele absolvieren. Aber das ist müßig, genauso wie es müßig ist so einen Antrag abzulehnen, aus welchen Gründen auch immer. Man spricht nicht mit Menschen. Also mit Menschen mit Verstand spricht man nicht. Daher bin ich jetzt auch in meiner eigenen Welt erschüttert, was alles möglich und nicht möglich ist. Es ist kein fairer Wettbewerb. Ich sage es nochmal, es ist nicht selbstverständlich 26 oder 27 Siege in der Saison zu holen. Das kostet Kraft, das kostet mentale Konzentration. Und wenn Du dann die Fakten ansprichst, will die keiner hören. Die leben in ihrer eigenen Welt. Diese Welt gibt’s aber gar nicht – das ist eine Scheinwelt. Und wir müssen damit fertig werden. Deswegen sage ich es auch ganz ehrlich. Es ist mir völlig egal, ob die mit hochtalentierten Spielern antreten oder reintreten. Wir werden sowieso nicht geschützt. Energie Cottbus wird nicht geschützt!“

Und weiter ging es: „Wir dürfen unsere Fans nicht mitnehmen. Warum dürfen wir unsere Fans nicht mitnehmen? Und die gehen noch als großer Sieger heraus? Das ist unverschämt was mit unserem Club hier passiert! Die vernünftigen Fans werden ausgeladen. Wenn ein anderer über Rot fährt, dann kann ich nicht dafür bestraft werden. Das ist ein Skandal was hier passiert und alle gucken weg. Und alle schließen die Augen und alle nicken ab. Ich arbeite nicht bei einem rechtsradikalen Club, ich arbeite bei Energie Cottbus. Der Werte vermittelt. Gar keinen Respekt kriegen wir. Im Gegenteil, wir kriegen jeden Tag den Vorschlaghammer ins Gesicht. Und alle machen das Spiel mit.“

„Ein ganz klarer Hinweis, dass es Energie Cottbus brutal schwer hat in dieser Gesellschaft Akzeptanz zu bekommen. Und so werden wir behandelt. Diese Kollektivstrafe hat das alles belegt. Es ist auch nicht vertretbar, dass wir als Mannschaft und Verein in so eine Schublade gesteckt werden. Das gehört sich nicht. Wir haben zwei Jahre in diesem Verein dafür gekämpft, dass sich dieser Verein wieder so aufstellen kann. Und dann schmeißen die uns nicht Steine, sondern Felsbrocken in den Weg. Die kriegst Du mal eben nicht so schnell weggeräumt.“, betont Wollitz und verspricht eine Sache:

„Am Sonntag wurde eigentlich alles beantwortet. Ich wünsche unserem Club, dass das am Ende gut ausgeht. Dass Energie Cottbus sportlich das Ziel erreicht. Das permanent jede Woche ertragen zu müssen und sehr viel wegstecken zu müssen. Da muss mir auch keiner erzählen, dass der Antrag abgelehnt wurde weil beide Vereine das wollen. Märchenstunde können sie woanders machen! Aber nicht hier. Aber eines sage ich ihnen. Wir werden am 21. Mai das Spiel gewinnen. Das verspreche ich ihnen. Den Pott holen wir nach Cottbus. Weil so viel Stolz und Charakter werden wir haben. Was danach passiert kann ich nicht sagen!“