Es gibt akuten Handlungsbedarf
Herr Lemke, der Verein hatte Besuch von der Deutschen Fußball-Liga (DFL), um für den Fall, dass die Sensation gelingen sollte, bereits frühzeitig eine Bestandsaufnahme für die organisatorischen Voraussetzungen zu machen.
Wie fiel diese aus?
Wenn man es tatsächlich und ungeschönt formulieren möchte, dann nahezu vernichtend. Unser Stadion ist, so wie es jetzt hier steht, nicht für Zweitligafußball im Jahr 2025 geeignet. Das war eine ebenso klare wie harte Aussage! Vielleicht hat diese klare Erkenntnis aber auch etwas Gutes, um auch dem Letzten hier die Augen zu öffnen. Wir brauchen die vollste Unterstützung in der Region und im Land Brandenburg, weil dort Entscheidungen getroffen werden müssen. Will das Land Brandenburg Profifußball oder nicht? Der FC Energie ist einer der wichtigsten Imagefaktoren des Landes, darüber hinaus von kultureller, gesellschaftlicher und sozialer Wichtigkeit. Kein anderer Verein, keine Institution und keine Veranstaltung im Land Brandenburg bringt alle zwei Wochen mehr als 10.000 Menschen zusammen. Das gelingt nur uns hier in Cottbus. Das sollte man erkennen und wertschätzen, auch wenn nicht jeder fußballaffin sein muss. Was wir uns wünschen ist nichts Außergewöhnliches, sondern an nahezu allen Standorten des Profifußballs so, dass Länder und Städte die Finanzierung für Stadien und Arenen übernehmen bzw. übernommen haben.
Wie akut ist die Stadionthematik unter dem Aspekt, dass das Ziel des Vereins auch weiterhin der Klassenerhalt in der 3. Liga und die 46 Punkte sind?
Das sollte man voneinander trennen. Wir konzentrieren uns sportlich genau auf diese 46 Punkte und alles, was eventuell danach kommt, das wird man sehen. Dennoch besteht durchaus die Möglichkeit, dass eine Mannschaft, die nach 22 Spieltagen Tabellenführer ist, auch mehr erreichen kann. Daher gehört zu einem professionellen Arbeiten dazu, dass wir als Verein die Lizenzunterlagen für die 2. und 3. Liga, aber auch für die Regionalliga einreichen. Das Thema Stadion ist nicht erst seit gestern auf der Agenda und perspektivisch werden auch die Anforderungen in der 3. Liga eher steigen als sinken. Was heute noch gerade so ausreichend ist, kann und wird in ein, zwei oder drei Jahren schon ganz anders aussehen. Davor darf man auch nicht die Augen verschließen. Es gibt akuten Handlungsbedarf.
Wie können Strategie und Maßnahmen für diesen notwendigen Handlungsbedarf aussehen?
Wir müssen das in zwei Handlungsstränge unterteilen. Einmal in jene Sachen, die kurzfristig verändert werden müssen. Das betrifft das Flutlicht, die Auswechselbänke sind marode und zu klein sowie verschiedene infrastrukturelle Voraussetzungen, die vor allem für das TV vonnöten sind. Und einmal mittel- und langfristig die Sanierung bzw. den Umbau des Stadions, um es nachhaltig für den Profifußball nutzbar zu machen. Daran arbeiten wir schon sehr lange, sehr viel wurde geredet, doch nun müssen wir ins Handeln kommen. Wir sind vor zwei Wochen bei der Wirtschaftsregion Lausitz einen ersten wichtigen Schritt vorangekommen, der uns im Sommer noch verwehrt geblieben war. Wir hoffen, dass die beauftragte Studie nun möglichst schnell beginnen wird.
Wie ist der Sachstand hinsichtlich des Prozesses der Werkstatt 4 bei der WRL genau? Was soll diese Studie bewirken?
Die Studie soll erfassen, welche Maßnahmen in welchem Umfang notwendig sind sowie Kosten und Möglichkeiten zusammenführen. Also die Basis für das große Ziel. Im Rahmen dieses Prozesses wurde einstimmig beschlossen, dass diese Studie beauftragt wird. Das ist auch ein ganz normaler und formal rechtlicher Schritt, wenn es um Fördergelder, in dem Fall aus dem Strukturwandeltöpfen, geht. Wir wissen aber auch, dass solche Prozesse mitunter langwierig sind, daher sind wir stetig in Gesprächen, um Tempo in die Vorgänge zu bekommen, denn beispielsweise für eine Lizenz im Rahmen der DFL, da möchte der Verband eine Perspektive sehen. Es ist nicht so, dass im August ein umgebautes Stadion stehen müsste, das zeigen ja die Beispiele in Münster oder Ulm. Aber nur mit Worten ist es eben auch nicht getan, um für den Übergang eine Ausnahmegenehmigung zu erhalten. Deshalb brauchen wir diese zwei Schienen mit Dingen, die sofort anzupassen sind und was mittel- und langfristig mit unserem Stadion passieren soll.
Vermehrt gab es jetzt das Angebot von Fans, die mit Spenden helfen wollen. Was gibt es dazu zu sagen?
Das ist schlichtweg großartig, dass es so viele Fans gibt, die angeboten haben, dass sie helfen möchten. Dennoch ist es nicht so leicht, wie man das denkt. Insbesondere für uns als eingetragener Verein. Wir müssen da viele Dinge beachten. Wir arbeiten daran, um dieses Angebot auch annehmen zu können und eine rechtssichere Möglichkeit zu schaffen.

