Die "Recken" von '73
Vor 50 Jahren gelang Energie Cottbus der erste Oberliga-Aufstieg der Vereinsgeschichte. Unsere Helden von damals werden am Sonntag zum Heimspiel gegen den FSV Zwickau zu Gast bei uns im Stadion der Freundschaft sein, um gemeinsam mit Euch und uns dieses Jubiläum in Ehren zu halten und ein wenig zu feiern.
Die Saison 1972/73 bildete einen Meilenstein in der Geschichte unseres Vereins. Nach jahrelangen Anläufen in Richtung Oberliga-Aufstieg erreichte das Trainergespann Manfred Kupferschmied und Dieter Schulz das lang ersehnte Ziel. Schon im Vorjahr zeigte die Mannschaft ihr großes Potenzial, wurde Dritter in der Liga und verpasste nur knapp die Aufstiegsrunde. Da der Kader Großteils zusammengeblieben war und die größte Veränderung mit den zwei starken Neuzugängen Siegfried Franz und Volker Ziegenhagen auf der Torhüterposition stattfand, hatte die Mannschaft keinerlei Startschwierigkeiten. Kapitän und Abwehrspezialist Werner Grun bildete gemeinsam mit Hajo Prinz, Klaus Stabach, Karl-Heinz Becker, Manfred Duchrow und Werner Wehner die Säulen des aus einer sicheren Defensive heraus geprägten Cottbuser Spiels. Vorne knipste vor allem Toptorjäger Peter Effenberger, der sich mit 16 Treffern in der Liga-Staffel die Krone holte. Daneben stachen auch wieder Hans Böttcher (8 Tore), sowie Michael Noack und Klaus Grebasch (je 5 Tore) hervor, die die Angriffsreihe der BSG abrundeten.
Durch die Liga marschierte die Mannschaft gewohnt offensivstark und setzte sich von Beginn an oben fest. Die ärgsten Konkurrenten BFC Dynamo II und Vorwärts Frankfurt II waren eigentlich keine, denn sie besaßen als Zweitvertretungen von Oberliga-Mannschaften kein Aufstiegsrecht. Dafür gab es andere Teams, die es Energie schwermachen wollten. Stahl Eisenhüttenstadt, die im Vorjahr vor Energie landeten oder Dynamo Fürstenwalde, die am Ende die meisten Tore in der Staffel schossen, seien hier genannt. Energie holte sich am vorletzten Spieltag durch einen 1:0-Erfolg über Motor Hennigsdorf den zweiten Platz hinter BFC II, der zur Aufstiegsrunde berechtigte.
Da in der Aufstiegsrunde die besten Teams jeder Staffel gegeneinander in Hin- und Rückspiel antreten mussten, folgten acht schwere Spiele. Gegen Vorwärts Leipzig legte Energie ein Offensivfeuerwerk mit 20 Ecken hin - die spätere Energie-Legende Andreas Wendt hielt Leipzig aber lange im Spiel. Das goldene Tor zum 1:0 durch Effenberger war kurz vor Schluss die Erlösung und der Auftakt in die Entscheidungsspiele. Es folgte ein 2:2 bei Chemie Zeitz, wo man eine 2:0-Führung noch hergab. Umso beeindruckender war das darauffolgende 1:0 gegen den stärksten Konkurrenten der Aufstiegsrunde Stahl Riesa. Hans Böttcher sicherte kurz nach dem Seitenwechsel die wichtigen Punkte gegen die gutbesetzte Riesaer Mannschaft. Der unnötigen 1:0-Niederlage bei Vorwärts Stralsund folgte ein 2:1-Sieg in Leipzig, den Siegfried Wünsch und Klaus Grebasch besiegelten. Auch das hart umkämpfte 3:2 daheim gegen Zeitz, bei dem Doppelpacker Michael Noack zum Mann des Tages avancierte, war ein Riesenschritt in Richtung Oberliga.
Im vorletzten Spiel ging es gegen Riesa schon um die Vorentscheidung. Doch anders als im Hinspiel waren die Stahl-Städter diesmal die Herren im Haus und besiegten Energie mit sage und schreibe 7:0. Riesa war damit schon aufgestiegen, während Energie sich noch einmal aufraffen musste. Im letzten Spiel zuhause gegen Stralsund reichte schon ein Punkt. Stralsund brauchte für den Oberliga-Aufstieg einen Sieg. Energie führte früh durch Klaus Stabach mit 1:0 - mehr als der Ausgleich glückte den Ostsee-Kickern aber nicht mehr. Energie feierte vor 12.000 Zuschauern den ersten Aufstieg der eigenen Geschichte. Die Zeit für den ganz großen Fußballsport in Cottbus war endlich gekommen.

