Der Präsident im Gespräch
Herr Wahlich, Sie waren in den letzten Tagen noch intensiver für den Verein unterwegs, können Sie uns einen kleinen Abriss geben?
Ja, das stimmt. Folgende Dinge standen an: Treffen mit Fangruppen, Versammlung mit den Mitarbeitern der Geschäftsstelle, Gespräche mit dem wichtigsten Sponsor, der erste Mitglieder-Stammtisch und zum Abschluss eine Sponsorenrunde.
Worum ging es in den Gesprächen?
Neben den ganz „normalen“ Kleinigkeiten des Vereinslebens war das bestimmende Thema die finanzielle Situation der letzten Jahre und speziell der Jahresabschluss 2016.
Können Sie die Lage kurz zusammenfassen?
Ein solches Thema ist nicht treffsicher in drei Sätzen zu beantworten, aber ich will es mal allgemeinverständlich versuchen. In Summe drei Abstiege haben die lukrative „Quelle“ der TV-Gelder versiegen lassen. In der 1. Bundesliga gab es bis zu 17 Millionen Euro an TV-Einnahmen zu verzeichnen, in der 3. Liga waren es noch 800.000 Euro und momentan sind wir quasi bei Null angelangt. Unser Verein hat die Ausgabenseite in den vergangenen fünf Jahren um 13 Millionen Euro reduziert. Das ist eine enorme Leistung und trotzdem müssen wir auch am Ende des Jahres 2016 einen Jahresfehlbetrag im mittleren sechsstelligen Bereich verzeichnen.
Was bedeutet das nun genau?
An dieser Stelle muss man nochmals in die Vergangenheit blicken. In den zurückliegenden vier Jahren wurden in Summe fast 4 Millionen Euro Verluste erwirtschaftet. Das ist im Fußballgeschäft zwar nichts ungewöhnliches, kritisch wird es aber dann, wenn das Eigenkapital des Vereins aufgebraucht ist und dieses in den negativen Bereich übergeht. Genau das wäre am Ende des Jahres 2016 eingetreten, denn zum 31. Dezember 2015 stand das Eigenkapital bei 4.000 Euro.
Sie sprechen im Konjunktiv, was ist passiert?
Ich konnte einen ziemlich besten Freund meiner Familie dazu bewegen, Genussscheine zu zeichnen. Dadurch ist es uns gelungen die Diskussionen über Finanzlücken und deren Folgen ohne große Öffentlichkeit abzuwenden und letztlich ein positives Eigenkapital darzustellen. Man stelle sich allein die Außenwirkung vor, wenn das nicht gelungen wäre.
Das klingt sehr brisant!?
Ist es auch, denn diese Zwischenlösung bringt Luft für ein Jahr. Wir müssen nun gemeinsam mit allen dem Verein zugewandten Menschen und Institutionen den Kampf aufnehmen, Gelder zu generieren, um in ruhigere Fahrwasser zu gelangen. Ein Aufstieg im Sommer würde die Lage deutlich entspannen, Sponsoren mögen bitte in sich gehen, aber auch Mitglieder und Fans sind aufgefordert Vorschläge zu unterbreiten, um die Einnahmensituation deutlich zu verbessern.
Wie haben die Teilnehmer der vielen Gesprächsrunden reagiert?
Die Reaktionen waren überraschend positiv, man war dankbar für die Offenheit. Andere reagierten sehr betroffen, viele machten spontan Vorschläge und machen sich Gedanken, um die Situation zu verbessern. Auch konnten wir bei Sponsorengesprächen spüren, dass man vielleicht sogar einen Drei-Jahresvertrag unterschreiben wird, um dem Verein größtmögliche Planungssicherheit zu gewähren. In einer Runde kam der Vorschlag, die Mitgliedsbeiträge spürbar zu erhöhen, eine Art Premium-Mitgliedschaft zu schaffen oder eine lebenslange Dauerkarte anzubieten oder, oder, oder... Auch eine Ticketpreiserhöhung für die neue Saison ist kein Tabu mehr. Es tat wirklich gut, diese enge und positive Verbundenheit auf allen Ebenen zu spüren.
Welche Prioritäten werden Sie setzen?
Ganz oben steht die Erbringung des Eigenanteils für den Erhalt der Fördermittel zum Bau des Kunstrasenplatzes für den Nachwuchs im Südstadion. Wir haben die Bewilligung über 500.000 Euro Fördermittel erhalten, dafür ist es erforderlich, 160.000 Euro an Eigenmittel nachzuweisen. Dies ist uns ohne Fremdfinanzierung nur möglich, wenn es uns gelingt, unsere Mitglieder, Sponsoren und Fans zu mobilisieren in kleinen und großen Zahlungseinheiten den Betrag zusammenzubekommen. Ich bitte hiermit alle, denen der FC Energie etwas bedeutet, mitzumachen - jeder Cent zählt!
Welche "Kampffelder" gibt es noch?
Neben dem sportlichen Erfolg richten wir das Hauptaugenmerk auf offene Kommunikation, weitere Stärkung des Zusammenhalts und der Geschlossenheit rund um unseren Verein. Nur gemeinsam können wir diese Durststrecke bewältigen. Auf wirtschaftlichem Gebiet wollen wir unsere treuen Sponsoren dazu bewegen, längerfristige Verträge abzuschließen. Die bisher angewandte Einjahresvariante ist sehr gefährlich, damit ist eine solide Planung äußerst schwierig. Natürlich ist es auch weiterhin dringend notwendig, die Kostenseite genau unter die Lupe zu nehmen, allerdings werden wir keine Einsparungen betreiben, die am Ende mehr kosten als sie einbringen. Wir sind am Anfang und brauchen auch die Unterstützung der vielen „kleinen“ Sponsoren, die womöglich in den „guten“ Jahren etwas vergessen wurden. Sachleistungen in jeglicher Form sind genauso wichtig wie der bare Euro! Die gebildeten Arbeitskreise in den Bereichen Kommunikation, Merchandising und dessen Vermarktung und auch die Gruppe zum „Legendentreffen“ im Mai sollen alle beitragen, das große Ziel Wiederaufstieg schnellstmöglich zu erreichen.
Wir für Energie!
