2. Februar 2016 - 16:10

Präsidiales Wechselbad der Gefühle

Interview mit Präsident Wolfgang Neubert nach dem Vereinsgeburtstag

Der FC Energie Cottbus ist seit Sonntag „50+“. Präsident Wolfgang Neubert erlebte am Jubiläumstag ein Wechselbad der Gefühle.

Wolfgang Neubert, wie fällt Ihr Fazit des Vereinsgeburtstages aus?

Es schlagen zwei Herzen in meiner Brust. Die Choreo der Fans auf der Osttribüne war überwältigend, Gänsehautfeeling pur. Auch der Festakt im Staatstheater übertraf all unsere Erwartungen, die Veranstaltung war feierlich, emotional, niveauvoll und kurzweilig. Wir können dennoch nicht rundum zufrieden sein mit dem Geburtstag, weil die Pyroaktion in der zweiten Halbzeit unsäglich und die Leistung der Mannschaft gegen Fortuna Köln über weite Strecken enttäuschend war.

Ihr Geschäftsführer sprach angesichts der Pyroaktion von einer Katastrophe …

Das ist genau das richtige Wort dafür und da gibt es weder etwas zu verharmlosen noch zu relativieren. Uns erreichten bereits mehrere Beschwerden betroffener Zuschauer aus dem Unterrang, Sachbeschädigungen und Verletzungen wurden uns gemeldet. Ganz abgesehen von der Strafe, die uns nun durch das Sportgericht erwartet und erneut finanziell erschüttert. Mindestens genauso schlimm ist jedoch der Vertrauensmissbrauch, denn es gab im Vorfeld klare Absprachen und Regelungen mit den Choreo-Verantwortlichen. Wir müssen nun genau überlegen, welche Rückschlüsse und Konsequenzen wir als Verein daraus zu ziehen haben. 

Es gab vereinzelt Unverständnis darüber, dass am Vereinsgeburtstag so wenig für die Fans geboten wurde.

Wir haben entsprechende Statements in den sozialen Netzwerken zur Kenntnis genommen. Auch das ist eine Frage der Kommunikation. Beim Heimspiel gegen Fortuna Köln waren die Choreo und damit das Werk der Fans selbst der ungeteilte Höhepunkt. Unser Angebot, diese Maßnahme mit einem Feuerwerk zu unterlegen, wurde aus Fankreisen „abgewählt“. Im Rahmenprogramm vor Anpfiff wollten wir auch nicht mit Interviewpartnern auf dem Rasen von der Choreo ablenken, es waren ja genug interessante Protagonisten im Stadion. Somit beließen wir es als feierlichen Zusatz beim Live-Auftritt von Sänger Alexander Knappe. Wir hatten stets betont, dass es im Sommer noch ein großes Fußballfest geben soll und wird, das Jubiläumsjahr hat ja gerade erst begonnen. Und Freibier am 31. Januar wäre unter Umständen angesichts der Witterung auch nicht sonderlich lecker gewesen. Bereits im Vorfeld des Jubiläums haben wir die Elf des halben Jahrhunderts gewählt und gekürt, die Chronik erstellt, Jubiläumsnadeln produziert, die geplante Fanparty in der Turnhalle unterstützt und zahlreiche Vertreter der Fanclubs zum Festakt eingeladen. Mit unserem Medienpartner RBB haben wir zudem dafür gesorgt, dass es einen technisch aufwändigen Live-Stream der Veranstaltung im Internet gab, um möglichst viele teilhaben zu lassen am Wiedersehen mit den Ehemaligen und Ehrengästen. Wenn ich mir anschaue, was andere Drittligisten angesichts der 50.Geburtstage auf die Beine stellen, brauchen wir uns ganz gewiss nicht zu verstecken. Im Gegenteil. 

Zurück zum Erfreulichen: Was behalten Sie besonders in Erinnerung von jenem 50. Geburtstag des FC Energie Cottbus?

Das Gefühl, einfach nur stolz zu sein. Als ich am Abend im Theater saß und nach meiner einleitenden Begrüßung all die Recken vergangener Tage auf der Bühne sah, war ich einfach nur gerührt und emotional ergriffen. Was dieser Verein, was die vielen Leute geleistet haben in der Vergangenheit, ist bewundernswert und nicht in Worte zu fassen. Es hat mir deshalb auch etwas leid getan, dass so viele wichtige Menschen gar nicht erwähnt wurden. Von Manfred Kupferschmied bis Fritz Bohla, von Michael Stein bis Ulrich Lepsch, von Sven Benken bis Branko Jelic. Es ist aber schlichtweg unmöglich, 50 Jahre in einen Festakt zu packen ohne jemanden zu vergessen. Jeder, der etwas für diesen Verein geleistet hat, hätte es verdient gehabt an diesem Abend auf der Bühne zu stehen. Man kann es jedoch leider nicht allen Recht machen und allen gerecht werden. Stellvertretend haben wir uns deshalb auf die  gewählte Elf auf 50 Jahren Energie und die herausragenden sportlichen Persönlichkeiten Eduard Geyer und Detlef Irrgang konzentriert.

Wem danken Sie nach dem Festakt im Staatstheater?

Da sind wir beim gleichen Thema. Jetzt alle Beteiligten aufzuzählen birgt die Gefahr, jemanden zu vergessen oder die Reihenfolge mit einer Wertigkeit gleichzusetzen. Deshalb beschränke ich mich darauf zu sagen: Allen, die eine „Aktie“ am Gelingen dieser tollen Veranstaltung hatten von den Gästen über die Akteure auf der Bühne bis hin zu den Gastgebern des Hauses gebührt ein riesiges Lob. Der Festakt machte seinem Namen alle Ehre.