20. Juni 2013 - 20:10

Offener Brief des FC Energie

Der FCE bezieht erneut Position und belegt die Gruppierung „Inferno“ mit Erscheinungsverbot

Die Saison 2013/2014 wirft ihre Schatten voraus. Der FC Energie Cottbus hat sich wirtschaftlich, sportlich und personell bestmöglich auf die nächste Serie vorbereitet. Die Lizenz wurde uns ohne Auflagen und Bedingungen erteilt, der Kader unseres Teams gezielt verstärkt, der Nachwuchsbereich neu strukturiert. Neben diesen wichtigen Komponenten im Konkurrenzkampf der 2. Bundesliga legt unser FC Energie Cottbus im Hinblick auf die 17. Spielzeit im deutschen Profifußball aber auch erneut großen Wert auf das Vereinsleben, auf seine Außendarstellung, auf seine Fans.

Der FC Energie Cottbus begreift sich als Sympathieträger und Botschafter der Stadt Cottbus, als sportliches Aushängeschild der Lausitz und ist sich seiner Vorbildfunktion und seiner Verantwortung im Land Brandenburg bewusst. Seit jeher steht der Verein nicht nur sinnbildlich sondern aktiv für Werte wie die Integration von Ausländern, für Toleranz, für Fairplay. Weder von Parteien noch von Gesinnungen aus dem Spektrum der Extreme lässt sich der FC Energie Cottbus beeinflussen, benutzen oder gar vereinnahmen. Das Stadion der Freundschaft als Heimstätte, der Verein als Hort der Begegnung bieten keinerlei Plattform für Diskriminierung, Rassismus, Gewalt, Antisemitismus und Homophobie.

Dies ist keine Schlagzeile wert und keine rühmliche Neuigkeit, sondern seit Jahren vielfach dokumentiertes Selbstverständnis. Dennoch erneuert der FC Energie Cottbus seine klare Position und untermauert sie mit entsprechenden Maßnahmen.

In Auswertung eines von der Öffentlichkeit nicht registrierten Vorkommnisses bei einem der jüngsten Auswärtsspiele haben die örtliche Polizei und unser Sicherheitsbeauftragter zwei Personen dingfest machen können, die antisemitische Zeichen propagierten und der Gruppierung Inferno zuzuordnen sind. Aufgrund von Vorkommnissen in der Vergangenheit stand jene Gruppierung seit Monaten unter besonderer Beobachtung durch unseren Verein. In Auswertung der besagten Zuwiderhandlungen wurde Inferno ein bis auf Weiteres geltendes Erscheinungs- und Auftrittsverbot sowohl für die Heimspiele im Stadion der Freundschaft als bei den Auswärtsspielen unserer Mannschaft ausgesprochen. Das betrifft Fahnen und Banner jeglicher Art sowie Erkennungssymbole der Gruppierung.

Der FC Energie Cottbus hat in den vergangenen Jahren weder Kosten noch Mühen gescheut, den Sicherheitsstandard im Stadion der Freundschaft auf ein überdurchschnittlich hohes Niveau zu heben. Die entsprechenden Konzepte greifen. Es ist beileibe kein Zufall sondern nachhaltiges Produkt harter Arbeit, dass es im Gegensatz zu vielen anderen Standorten in den zurückliegenden Spielzeiten auch bei sogenannten Risiko-Partien keinerlei Vorkommnisse gab. Deshalb ist der Verein stolz darauf, dass sich seine Mitglieder und Anhänger in jüngster Vergangenheit im eigenen „Wohnzimmer“ vorbildlich verhalten haben. Der fanclubübergreifende Ehrenkodex zu den Richtlinien und Regeln im Stadion wurde zu jedem Zeitpunkt eingehalten. Dabei spielt auch der ständige Dialog des FC Energie Cottbus mit den verschiedenen Fan-Gruppierungen und dem Fanprojekt eine wesentliche Rolle, die Zusammenarbeit mit der örtlichen Polizei und dem Dezernat für Ordnung und Sicherheit der Stadt Cottbus ist stets abgestimmt und zumeist vorbildlich.

Seit jeher betrachten wir uns als Partner bei der Vorbeugung und Bekämpfung, sitzen mit den rechtsstaatlichen Organen in einem „Boot“ und ziehen an einem Strang. Aus unserer Erfahrung ist die regelmäßige interne Kommunikation zwischen den genannten Partnern das probate Mittel, der Austausch an Kenntnissen und Informationen unabdingbar.

Zudem zeigt unser Verein unentwegt „Flagge“, beteiligt sich regelmäßig an Projekten wie „Zeig Rassismus die Rote Karte“, „Jung gegen Rechts“, an der Aktion „Cottbus bekennt Farbe“ und sitzt in der Jury des Cottbuser Toleranzpreises, war am 16. Juni 2013 in Mannschaftsstärke beim Staffellauf für Vielfalt und Toleranz des Stadtsportbundes vertreten und unterzeichnete einen Kooperationsvertrag mit Fußball-Landesverband und Landessportbund für Demokratie. Darüber hinaus trat der FC Energie Cottbus bei den Projekten „Bolzplatz gegen Rechts“ und dem „Fußballtag für Toleranz“ der AOK als Partner in Erscheinung und richtete das Finale der ganzjährigen Maßnahme „Kickern für Toleranz“ aus, unterstützte die Gründung eines Fanclubs in Namibia sowie ein Waisenhaus in Kamerun mit Sportmaterialen. Kurzum: Der FC Energie Cottbus bekannte sich allein in der zurückliegenden Saison bei 15 Projekten und Maßnahmen aktiv zu Vielfalt und Toleranz, sprach sich unmissverständlich gegen Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus aus.
Eine ebenso deutliche Positionierung erwartet der FC Energie Cottbus 2013/2014 auch von seinen Mitgliedern und Fans. Wenn das gesamte Stadion der Freundschaft im Chor den Namen unseres Torjägers Boubacar Sanogo skandiert, haben wir als FC Energie Cottbus den größtmöglichen Beitrag gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus geleistet.

Etwaiges Sympathisieren mit rechtsextremem Gedankengut ist ein gesellschaftliches Phänomen, dessen Auswüchse mitunter bis ins Stadion reichen. Nicht umgekehrt. Der FC Energie Cottbus zögert nicht, sein Ansehen und seine Werte mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln zu schützen und zu wahren. Mit konsequenter Härte geht der Verein in Kooperation mit Polizei und Sicherheitskräften gegen jedwede Straftat vor. Ermittelte Stadionbesucher, die sich nicht an die Regeln halten, Gewalt verherrlichen oder ausüben, sich extremistisch äußern oder Pyrotechnik einsetzen, werden auch künftig ohne Toleranz zur Verantwortung gezogen.

Das war in den vergangenen Jahren stets der Fall und wird auch in Zukunft Handlungsmaxime für unseren Verein sein. Wann immer Fakten auf dem Tisch liegen, handeln wir konsequent und vertreten unsere Entscheidungen nach außen und nach innen. Es ist kein Platz für Rechtsextremismus. Nicht in unserer Gesellschaft und nicht beim FC Energie Cottbus.

 FC Energie Cottbus