Marc-André Kruska hat eine zweite Initialzündung neben der Einwechslung von Nils Petersen ausgemacht
Vor der Viedoauswertung am Dienstag war ihm mulmig. Die komplette erste Halbzeit des Heimspiels gegen Koblenz noch einmal anzuschauen, war für Marc-André Kruska alles andere als "Wunschtraining".
Der "Sechser" mit der Nummer 18 weiß sehr wohl, dass die Leistung des Teams im jüngsten Heimspiel lange Zeit nicht den eigenen Ansprüchen und Möglichkeiten entsprach. "Wir sind vor allem in der ersten Halbzeit gar nicht in die Zweikämpfe gekommen, hatten zu viel Länge und auch Breite im Spiel, standen nicht eng genug beieinander", blickt Marc Kruska selbstkritisch zurück. Die Initialzündung für eine stürmische Schlussphase sah er natürlich auch in der Einwechslung des agilen Nils Petersen. Aber auch in einer Szene, als Stanislav Angelov am gegnerischen Strafraum gefoult wurde und es keinen Freistoß gab. "Anschließend lagen drei Koblenzer auf dem Rasen, weil wir uns endlich gewhert haben und den Ball mit allen Mitteln zurückholen wollten", erinnert sich Marc-André Kruska. Das sei das Signal gewesen.
Marc-André Kruska ist ein Pfundskerl. Höflich und umgänglich. Manchmal wünschte man sich, er würde entsprechend seiner zentralen Rolle und seiner Fähigkeiten fordernder und unbescheidener auftreten.
Der Mann im defensiven Mittelfeld des FC Energie Cottbus ist ein Stratege, ein feiner Fußballer mit toller Übersicht und herausragender Passqualität. Sofort nach Balleroberung sucht er den Weg in die Spitze, spielt wenige Bälle quer oder als „Alibipass“ nach hinten. So hat er es gelernt bei Borussia Dortmund. Marc Kruska kann das Spiel schnell machen und vor allem verlagern mit Diagonalpässen wie an der Schnur gezogen. Die Kollegen suchen ihn beim Spielaufbau von hinten, er soll dem Spiel der Rot-Weißen Struktur geben, den Rhythmus diktieren. Der 22-Jährige übernimmt dabei Verantwortung, versteckt sich nie, fordert die Bälle und ist zudem der Mann für Standardsituationen.
Kurzum: Marc-André Kruska ist ein sehr wichtiger Spieler beim FC Energie, er hat sich seinen Platz erkämpft und bestätigt ihn mit Leistung. Er muss und will nicht selbst glänzen, sondern seinen offensiven Mitstreitern den Rücken frei halten und sie in Szene setzen. Diese Aufgabe verrichtet er unauffällig, stopft Löcher mit großem läuferischen Aufwand und stellt Räume zu, die andere gar nicht erst erkennen. „Er ist enorm wichtig für uns“, sagt Trainer Pele Wollitz. Marc Kruska ist bei ihm gesetzt. 15 Zweitliga-Spiele bestritt der „Sechser“ seit seinem Wechsel zum FC Energie, alle von Beginn an. Nur einmal fehlte er wegen der fünften gelben Karte. Ein Treffer gelang dem defensiven Mittelfeldakteur bisher, beim 4:0 in Ahlen traf er am letzten Hinrundenspieltag mit einem Schuss der Marke „Tor des Monats“ in den Winkel.
Doch Marc Kruska kann mehr. Das weiß er selbst und natürlich auch der Trainer. Pele Wollitz will ihn noch mehr in die Verantwortung nehmen, ihm eine Führungsrolle übertragen. Das geht nicht von heute von morgen. „Marc ist 22 Jahre alt, erst ein halbes Jahr bei Energie. Er erarbeitet sich die Akzeptanz seiner Nebenleute, ist von Hause aus aber kein Lautsprecher“, begründet der FCE-Coach, dass der Kicker mit der Nummer 18 erst in die angedachte Rolle als Anführer auf dem Spielfeld hinein wächst. Dass er es kann und will, ist unverkennbar. Trainer und Mitspieler stützen den Mann mit dem Hang zum Zuckerpass bei seinen Ambitionen.