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04.02.10
Scouting-Sitzung als Auftakt
Neun Spielbeobachter stimmten auf Einladung des FC Energie Sichtungskriterien ab

Die Neuheiten mussten sie erst einmal verarbeiten. Und diskutieren. Zwölf Fußball-Fachleute fachsimpelten nach dem Spiel gegen Duisburg noch weit nach Mitternacht und am darauffolgenden Morgen erneut über das neue Scouting-System des FC Energie Cottbus. Das Fazit war einhellig: Das online-basierte Programm vereinfacht die Arbeit, macht die getätigten Beobachtungen nachlesbar und katalogisiert. Der erste Schritt zur professionellen Sichtung ist getan.


Sportdirektor Michael Feichtenbeiner
Energie-Sportdirektor Michael Feichtenbeiner hatte am Montagabend vor dem Heimspiel gegen den MSV Duisburg neun „Scouts“ eingeladen, um die Kriterien künftiger Sichtungen zu vereinheitlichen. Anwesend waren somit neben dem hauptamtlichen Scout Gerhard Noll auch Honorar-Kräfte wie Vasile Miriuta, Nachwuchs-Trainer des FCE wie Andrzej Kobylanski und Franklin Bittencourt sowie ehrenamtlich für den Verein tätige Beobachter. Um allen das eigens entwickelte Scouting-Programm anhand von Beispielen nahe zu bringen, erhielten die geladenen Experten für die Begegnung des FC Energie gegen den MSV Duisburg Aufgaben. Es ging um Spiel- und Spielerbeobachtung. Zwei grundverschiedene Dinge mit unterschiedlichen Sichtungs-Schwerpunkten und Kriterien.

Während es bei der Spiel- oder auch Gegnerbeobachtung vor allem um taktische Grundordnungen, Stärken und Schwächen einzelner Akteure und Mannschaftsteile sowie Standard- und Spielaufbauvarianten geht, liegt das Hauptaugenmerk bei der Spielersichtung auf individuellen Fähigkeiten des jeweils zu scoutenden Akteurs. Die Erfüllung der Aufgaben auf der entsprechenden Position, Passqualität, Schnelligkeit, Willensstärke, Kopfballspiel sind nur einige der relevanten Kriterien, die es dabei einzutragen und zu benoten gilt. Hinzu kommt die zu beurteilende Perspektive des Spielers.

Die spielte ganz bewusst keine Rolle am Montagabend. Denn die Spielerbeobachtung fokussierte sich für die Energie-Scouts auf MSV-Akteur Ivica Grlic. Erfreulich war bei der kollektiven Auswertung am Tag danach, dass die Einschätzung der gezeigten Fähigkeiten des Routiniers bei den anwesenden FCE-Beobachtern nahezu identisch war. Denn wichtig ist größtmögliche Objektivität. „Es ging uns vor allem darum, die Bewertungskriterien abzustimmen. Ansonsten käme es zu Irritationen, wenn eine Note 3 beispielsweise bei der Schnelligkeit unterschiedlich interpretiert wird“, gibt Michael Feichtenbeiner zu bedenken. Der Sportdirektor konnte folglich zufrieden sein mit der von ihm einberufenen Scouting-Konferenz. Der bisher ersten und ganz sicher nicht letzten.

Software-Entwickler BDK Medien GmbH stellte in Person von Geschäftsführer Klaus Derfurt das neue Programm detailliert vor und nahm dankend Verbesserungsvorschläge entgegen. Sowohl für den Profi- als auch für den Nachwuchsbereich verfügt der FC Energie nun über eine exakte Spielerdatenbank, aus der alle relevanten Informationen wie Größe, starker Fuß, Position, Verein und Vertragslaufzeit hervorgehen. Die Kriterien im Nachwuchs- und Profibereich unterscheiden sich dabei sogar noch, denn Jugendliche besuchen zumeist noch die Schule. Auch diese Daten gibt das Scouting-Programm her, so dass sich die Verantwortlichen des FCE darauf vorbereiten und in etwaigen Gesprächen einstellen können.

Per Laptop können die zwölf Energie-Scouts nun bereits im Stadion alle Daten einpflegen und archivieren. Sie sind anschließend überall abrufbar für den Cheftrainer und natürlich den Sportdirektor als Leiter der Scouting-Abteilung. Als Duisburgs Sportdirektor Bruno Hübner zufällig einen Blick auf das Software-Programm warf, erkundigte er sich neidisch: „Wir haben so etwas nicht und bräuchten es dringend“ Diesen Wettbewerbsvorteil will der FC Energie perspektivisch nutzen. Beruhigen konnte Michael Feichtenbeiner seinen Kollegen von der Wedau dennoch vorerst. Denn der zu Testzwecken gesichtete und bewertete Ivica Grlic bekam den Vermerk „Beobachtung abgeschlossen“. Der 35-Jährige ist für den FC Energie ungeachtet der gezeigten Leistung nicht mehr interessant.
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