Dass Energie am 10. Mai 2008, einen Spieltag vor Ende der Saison 2007/08, mit einem 2:0-Sieg gegen den Hamburger SV den erneuten Klassenverbleib feiern konnte, verwiesen die meisten Fußballinteressierten in ganz Deutschland lange Zeit ins Reich der Utopie. Von Saisonbeginn weg spielte Energie kaum erstligatauglichen Fußball oder haderte mit fehlendem Glück, wenn man trotz optischer Gleichwertigkeit mit den Kontrahenten die Punkte liegen ließ. Schon nach dem 6. Spieltag - ein 1:2 gegen Wolfsburg - zog die Vereinsführung die Notbremse und beurlaubte Trainer Petrik Sander. Beerben sollte ihn - nach einem Gastspiel von Amateur-Trainer Heiko Weber beim 0:5 in München - mit Bojan Prasnikar ein in der Bundesliga gänzlich unbekannter Slowene. "Wenn ich das langsamere Auto habe, muss ich in einem Rennen taktisch fahren." - so eine der ersten Aussagen des neuen Energie-Coaches, der seine Spieler länger und umfangreicher trainieren ließ, mit seinem Klemmbrett Spielzüge erklärte und die Mannschaft vor allem in Taktik und Disziplin schulte. Erste Erfolge waren, dass Energie nur noch schwer zu besiegen war. Bis zur Winterpause wollte Prasnikar seine Mannschaft wieder an die Nichtabstiegsplätze heranführen und schaffte dies mit der ausgeglichenen Bilanz von drei Siegen, vier Remis und drei Niederlagen. Vor allem der 5:1-Kantersieg über Hannover 96 am 17. Spieltag festigte den Glauben an den Klassenerhalt. Der Start in die Rückrunde ließ die Hoffnungen jedoch wieder sinken. Beim 2:3 gegen Leverkusen haderte Energie ob zwei nicht gegebener Tore mit den Unparteiischen, beim 3:3 in Bochum patzte Energie in der Defensive und beim 0:2 gegen Dortmund präsentierte eine gehemmte Energie trotz oder gerade wegen des Besuchs des neuen FCE-Ehrenmitglieds - der Bundeskanzlerin Angela Merkel - nur Magerkost. Spätestens die beiden Niederlagen gegen Wolfsburg (0:3) und Stuttgart (0:1) ließen gerade aufgrund der gezeigten eigenen Leistung den Glauben schwinden. Am 15. März 2008 sollte sich das ändern. Bayern München war zu Gast, Energie hatte nichts mehr zu verliere, die Punkte waren fest an die Bayern verplant, nur über die Höhe des Sieges herrschte Uneinigkeit. Am Ende kam alles anders. Cottbus schlug den FC Bayern mit 2:0 - nicht glücklich sondern verdient und als beherztes Team mit ansehnlichem Fußball, so dass die Münchner mit zwei Gegentoren noch gut bedient waren. Zwar verlor der FCE eine Woche später in Frankfurt, doch die Körpersprache war eine andere, als noch vor wenigen Wochen. Im heimischen Stadion der Freundschaft holten die Cottbuser in den verbleibenden vier Heimspielen die Maximalpunktzahl von 12 Zählern, schlugen unter anderem die direkte Konkurrenz aus Bielefeld und Rostock und fuhren in Duisburg auch den so lange erhofften Auswärtssieg ein. In der von Bojan Prasnikar beschworenen eigenen Liga, die aus den fünf Abstiegskandidaten bestand, war Energie auf dem besten Weg "Meister" zu werden. Das "Meisterstück" machte der FCE im Hitchcock-Thriller gegen Hansa Rostock. In Unterzahl und mit 0:1 im Hintertreffen berannten und bestürmten die Cottbuser mit einer unglaublichen Moral den Gegner. Mit späten Toren von Timo Rost (81.) und Dimitar Rangelov (90.) drehten die Rot-Weißen die Partie und stürzten die Lausitz in einen kollektiven emotionalen Wahnsinn. Es war der Türöffner für den vierten Bundesliga-Klassenerhalt, der Schritt durch die Tür erfolgte zwei Wochen später mit besagtem 2:0-Sieg über den HSV. Am Ende blieb eine Meisterleistung von Trainer Bojan Prasnikar und von einem Team das von sich sagen konnte: Wir haben "immer daran geglaubt!" |
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Fakten:
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